Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 102 (sequence 7)
- Language
- German
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102 Zu« Geschichte der Judenverfolgungen tm 14. Jahrhundert, dem Gebrauche des Christenbluteö als blutstillendes Mittel — die Uranfänge der Homöopathie: similia simiiibua?! — ic., die man auch in der Schweiz zu grausamen blutigen Verfolgungen benutzt. So sollten sie 1287 in Bern einen Mord an einem Christenknaben Ruff (Rudolph) verübt haben. ״Etliche wurden gerädert, die übrigen vertrieben."") Zu Ueberlingen,beschuldigte man sie ebenfalls ein Kind — Ulrich — ermordet zu haben. Man fand es mit aufgeschnittenen Adern in einem Brunnen. Ein Knecht — natürlich der eigentliche Mörder — der das Kind in den Brunnen geworfen, sagte aus, er habe es im Aufträge der Juden gethan. Diese Aussage genügte der mittelalterlichen Justiz, um 300 Juden in ein gemauertes Haus zu sperren, und daselbst allesammt zu verbrennen. Wort zu reden. Denn was heißt es anders, wenn er ״Geschichte der Hohenstaufen״, Letpzig 1842 V. B. S. 350, nachdem er all jene Absurditäten aufgeführt, hiuzufügt ״es lasse sich nicht leugnen, daß Aberglaube und Neligionshaß (i-e. der Juden) die Juden zu solchen Ansichten (also von der׳ blutstillenden Eigenschaft des Christenblutes; von der Vorzüglichkeit der Mazzoth, die mit Cbristenblut bereitet re.) geführt. Er, der anderthalb Zeilen darauf den Satz ausspricht: es ist gewiß, daß die Christen es als ihrePfltcht ansahen, jeden Juden ohne weiteres todtzuschlagen, braucht wahrlich zur Erklärung dieser Todschlä gereien nicht in so plumper Weise dem Geiste unserer Zeit — hohnzusprechen, und sich selbst zu brandmarken. Es stimmt das freilich zu der ganzen Art und Weise, in der Herr v. Naumer über jüdische Materien — die ihm natürlich völlig böhmische Dörfer sind — aburtheilt. Es ist hier nicht der Ort uns weiter darüber einzulaffm, In. Betreff seiner absurden Aeußerung über den Talmud (l. e. p. 351) fragen wir ihn nur, ob er etwa das Dogma der unbeflekten Empfängniß dann gefunden und ob sich vielleicht Symptome von Getstesverdummung und Verdumpfung im jüdischen Volke je gezeigt. — Wenn er ferner gleich daraus berichtet; MaimonideS erlaube den Juden die Christen zu betrügen ~~ n cittrt dabei nicht MaimonideS sondern Depping das nennt man gründliches Quellenstudium — so erklären wir ihm, daß nach unserer Ansicht — Christen betrügen und berücken ist, wenn man solchen Blödsinn in bie Welt hineinschreibt. *3) Zselin zu Tschudi helvet Chronik ed Iselin, Basel MDCGXXXIV p. 320. GS nutzte den Vertriebenen Nichts, daß sie sich um Genngthuung an König Rudolph wandien. Dieser benutzte zwar diese Gelegenheit um den Bernern, die mit den übrigen Städten der Schweiz vereint sich seinen Unwillen zugezogen hatten, bei Androhung scharfer Strafe die volle Entschädigung seiner Kammerknechte für den ihnen zugefügten Schaden anzubefehlen. Die Berner bekümmerten sich aber nicht um den kaiserlichen Befehl und so kam er nicht zur Ausführung. S. ebendas.