Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 101 (sequence 6)
- Language
- German
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von Dr. M. Ralph. 101 Sich selber Mähen mocht man sehen Die Erde gantz erbebt zu sandt Der Jüden worden viel verbrandt ׳-9) Verfolgen wir den Ausgangspunkt dieser schrecklichen Vorgänge, so werden wir in die helvetischen Länder geführt. Wenn die Juden auch im Allgemeinen bis zum Beginne der Brunnenvergiftungs- Verfolgungen in der Schweiz wenigstens relativ ziemlich ruhig und glücklich gelebt 10) so war doch auch hier schon jüdischen Blutes genug dem Fanatismus zum Opfer geflossen. Der Judenhaß — seit Urzeiten blind zutappend — der auch im Lichte des 19» Jahrhunderts wahrlich nicht sehr skropulös und wählerisch in seinen Anschuldtgungen und Verdächtigungen ist, brauchte im Dunkel des Mittelalters keine Waffe zu scheuen, wo cs den Vertilgung s kampf") galt gegen ein unglückliches, wehrlos preisgegebenes Volk. So wnrden denn die bekannten lächerlichen, abgeschmackten Mährchen von Spangenberg I. c. p. 339. Pestis regnavit, plebis quoqu’ millia stravit, Insolitus Populus, flagellat 86 seminudus, Contremuit tellus, popul’q; crematur Hebräus, inclitus atq.; pius Princeps obijt Fridericus, Fit terrae dominus, Fridericus filius ejus. Aus mehreren Gründen scheinen diese Verse unmittelbar aus der Zeit der heftigsten Judenverfolgungen im Äahre 1349 selbst zu stammen. Die deutsche Uebersetzung rührt von später, jedoch wohl nicht lange Zeit darauf. Vergl. Ulrich,'Sammlung jüdischer Geschichten in der Schweiz, Basel 1768 p. 13 u. sf. 1*) Die völlige Vertilgung des gesammten jüdischen VolkeS bis auf den letzten Mann scheint wirklich ein Projekt des Mittelalters gewesen zu sein, ״et adbuo oonspiraverunt nobiles et ignobiles, ut numquam destitant donec tota Judaeorum generatio deleta sit“ — schreibt 1349 der Franziskanermönch H. Gygas ordinis minorun iratrum, l. c. p. 139. 12) Wir schämen uns fast in unserer Zeit über diese lächerlichen Ausgeburten des blinden Judenhasses auch nur ein Wort verlieren zu müssen, halten eS jedoch für unsere Pflicht, da wo es Noth thut, engherzige Beschränktheit zur Verantwortung zu ziehen. Ein bekannter deutscher Historiker aus dem edlen judenfreundlichen (sie!) Geschlecht der Raumer kann sich nämlich noch immer nicht zu der — wahrlich noch ziemlich tiefgelegenen — Höhe erheben, diesen alten längst verrosteten Plunderkram aus der Rüstkammer des Judenhasses über Bord zu werfen, sondern wagt es den aberwitzigenAmmenmahrchen wie: die Juden hätten Christenblut als blutstillendes Mittel bei der Beschneidung benutzt, sie gebrauchten es zum Mazzothbacken, sie rauben und morden Christenktuder re. das qm