Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 98 (sequence 3)
- Language
- German
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98 Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert, &cn engen, dumpfen Gassen, — blaffe, bleiche Menschen schleichen einher, i zuckende Leichen liegen am Boden, am Horizonte steigen düstere Rauch-!! Wolken empor — es sind die Wolken rauchender, Judenleiber — — 'j Eine Episode, die in dieses Bild paßt, mochten wir einmal versuchen dem geehrten Leser vorzuführen. Die Schlnßjahre der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ste-! hen mit düster» Farben des Todes in der Geschichte verzeichnet. Weither ans den fernen Ländern des chinesischen Reiches schritt der Todesengel einher, nach dem unersorschbaren Rathschlusse der Vorj sehung den Acker der Menschheit bestellend. Es war der ״schwarze ■1 Tod" — nach der wahrscheinlichsten Annahme eine Bubonenpest — j der im Jahre 1330 in China entstanden, 1348 zuerst aus euro- E päischem Boden erschien, die furchtbarste Seuche gegen welche unsere ] jetzigen Epidemien zu fast verschwindender Bedeutung herabstnken. j Die ganze Natur war in Aufregung, die furchtbarsten Erdbeben h durchzuckten weithin — von China bis in die deutschen Lande — den Erdball! die Flüsse traten weit aus ihren Betten, ganze Dörser, Städte versanken in den Boden, an tausend Stellen öffneten ן sich Abgründe, mit ihren mcphittschen Dünsten selbst das Lustmeer ij vergiftend') — unter solchen Auspicien begann dieser düstere Bote 1 der Vorsehung seinen Rundgang über die Erde. Noch viel schreckltcher waren aber die Leiden der Ergriffenen, die unter den furchtbarsten Qualen, den ganzen Körper mit Pest- und Brandbeulen 1 und schwarzen Flecken bedeckt/ in fieberhafter Gluth gepeinigt von unstillbarem Durste, ihren Geist aufgaben — mit dem letzten Athemzuge?) noch den Keim des Todes auf den treuen Freund, die zärt- 1) Vergl. über alle diese authentischen Angaben die Mtttheilungen in den Schrif׳ ' ten von Zeitgenossen: Raimund Chalin de Vinario; Guidon de Gauliaco (Guy de Chanliac) Chirurgia Tract. II. p. 113, zwei ausgezeichnete Aerzte, die mit edler! Selbstverleugnung in der aufopferndsten Weise während der Seuche ihrem Berufe oblagen. L. d. CH. Werke, die Epoche machen in der Chirurgie des Mittelalters, wurden im 13. Jahrhundert von Htllel ben Samuel zu Nom ins Hebräische überseht, Cf• Steinschneider Jew, Liter.), sowie die vortreffliche Monografie von Hecker ״der schwarze Tod", Berlin 18S2. s) Dis Angabe, daß besonders der Hauch den Ansteckungsstoff verbreitete, findet fich überall, s. d. gen. Werke. Dieser Seuche scheint die höchst merkwürdige Eigenschaft