Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 97 (sequence 2)
- Language
- German
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von Dr. M. Ralph. 97 lichen Aufgabe in Trümmer gegangen und der Jude staat- und heimathlos seine ״ewige" glanz- und thränenreiche Wanderung durch die Völkerwüste angetreten, wo der glühendheiße Sand oft die letzte Spur von Kraft in den wandermüden Gliedern zu verzehren drohte, ist die politische Größe des jüdischen Volkes als eigne Nation unt>r den ״Weltmächten" dahin. Nicht jüdische Heere, nicht jüdische Kanonen verbreiten die Civiltsation in der Welt. So wie aber sein ganzes staatliches Leben nur die äußere Hülle war, in der seine inneren gottentstammten Keime zur höchsten äußerlichen Blüthe gelangen sollten; diese geistigen ihm anvertrauten Schätze der Menschheit somit und nicht seine staatlichen Einrichtungen der Boden und die Grundbedingung seiner Existenz auf Erden bilden: so sehen wir auch, nachdem jene staatliche Hülle gefallen, und seine ״Mission" auf Erden scheinbar zu Ende, doch seine wahre hohe Bedeutung für die Geschichte und Entwickelung der Menschheit erst jetzt in vollentfaltetcr glänzenden Weise hervortrete». Politisch macht-und hülflos, seine ganze Existenz weihend und hinopfernd auf den Altar der Heilesidee der Zukunft, dadurch, sowie durch sein ganzes gottdurchdrungenes Leben, ja durch seine bloße Existenz der Wegweiser zu der einzigen, einstigen Panacee der Menschheit, dabei geistig wach und rege, überall ausnehmend und sich aneignend das Edle und Wahre ans den Geistesschätzen der übrigen Völker, mit nie wankender Treue jedoch in ewiger Reinheit wahrend jene gottentstammten Keime und sic weit hinausstreuend über die ganze Erde, und somit auf das Innigste verwebt mit den höchsten Interessen der Menschheit — —: dies dürfte in den allgemeinsten Umrissen die Bedeutung und das Bild des geistigen Lebens des jüdischen Volkes seit seiner Zerstreuung unter die Völker der Erde sein. In diesem Rahmen führte dann die Bruder- Menschheit das Geschichtsbild ihres, an diemenschliche Mildeund das Rechtsgefühl in ihrer Brust sich wendenden staatuud heimathlosen Bruders aus — ein Bild, um das der Genius der Menschheit schon manche Thräne vor dem Throne des Weltenrichters geweint. Da wölbt sich kein blauer, wolkenloser Himmel über lachenden Flureu, da grüßt kein goldener Sonnenstrahl das frohe Treiben heiterer glücklicher Menschen — — Da starren hohe, düstere Mauern auf gen Himmel — dunkele, gewitterschwangere Wolken hangen über