Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Chewan
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 88 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Cheschwan. mein Sohn hat doch Religionsstunden!" ״Mein Sohn lernt auch hebräisch!" ״Freilich unsere Sohne sollen keine Theologen werden — und wenn sie gar erst Theologen, Prediger, Rabbiner werden sollten, dann hätten sie ja erst vollends gar keine Zeit hebräisch zu lernen, dann müßten sie ja noch Latein und Griechisch und alle die andern wissenschaftlichen Gegenstände lernen, ehe sie zur Theologie, zur Exegese und Talmud kommen — wie gesagt, unsere Söhne sollen nur Kaufleute, aber gebildete Kanfleute werden; es gehört aber heutzutage so unendlich viel dazu um ein gebildeter Mann zu werden, und wenn wir auch wollen, daß unsere Kinder Juden sein nnd bleiben sollen, so dürfen sie doch nicht hinter der allgemeinen Zeitbildung zurückstchen! Wir lassen sie daher die allgemeinen bürgerlichen Lehranstalten besuchen und den religiösen Unterricht versorgen wir, so gut wir können. Wir haben einen Doktor, einen Religivnslehrer, der ihnen wöchentlich — insbesondere vor der Confirmation — einige Stunden Religionsunterricht ertheilt, oder wir haben Reltgionsschulen, die von unfern Kindern täglich eine Stunde besucht werden und wo sie etwas hebräisch, etwas תומש, חפלה, biblische Geschichte und systematischen Religionsunterricht lernen, oder wir halten Privatlehrer für das Hebräische — ganz ohne religiösen und hebräischen Unterricht bleiben ja unsere Kinder nicht —״ ״Nicht ganz ohne hebräischen Unterricht!" Aber, um des Himmels Willen, wie viel liegt zwischen dem ״nicht ganz ohne" und dem auch nur ״einigermaßen genügend!" Siehe, um dein Kind zum Kanfmanne, Handwerker, Künstler, Gelehrten, oder was du sonst seinen ״Beruf" nennst, ausznbilden, dabei begnügst du dich nimmer mit dem ״nicht ganz ohne!" Dabei begnügst du dich selbst schwerlich mit dem auch nur ״einigermaßen Genügenden." Du weißt, soll dein Kind ein Kaufmann re. werden, so muß er ein ״tüchtiger" Kaufmann rc. werden, muß wenigstens so tüchtig ״für seinen Beruf", wie du es nennst werden, als es nur seine Fähigkeiten und Anlagen zulassen. Als Stümper ist er verloren. Und dabei handelt es sich doch nur um den Berus, den willkürlichen Beruf, zu dem, im Grunde, d u ihn berufen. Aber für den Beruf aller Berufe, für den Beruf, zu welchem Gott ihn berufen, für den Berus, für welchen ihn zu erziehen und zu ״rüsten" Gott dich verpflichtet und dich verantwortlich gemacht, als er eine Menschensprosse deinen Baterarmen anvertraut.