Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 63 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Sebastian Brunner contra 3paj Kuranba. 03 auf jene gegen die ״Kirchenzeitung" erhobenen Beschuldigungen, ״daß das Auge der Gerechtigkeit in Wien wacht," ich glaube nicht blos in Wien, sondern überall in der österreichischen Monarchie, ich glaube, daß das Auge der Gerechtigtigkeit nicht nur wacht, sondern auch steht und wenn Sie nun jene Beschuldigungen lesen, dann frage ich, ob nicht etwa die Rollen des Anklägers und des Angeklagten zu wechseln wären? Ich verweise auf die §§ 302 und 532 des Strafgesetzbuches. Doch ist es nicht meine Ausgabe, hier den Anklüger zu spielen, und ich will damit nur den Beweis geführt haben, daß der Inhalt der ״Kirchenzeitung" nach den verschiedensten Richtungen hin ein skandalöser, ein frivoler sei, womit eben nur das Geringste gesagt ist, was man davon sagen kann. Ein weiterer Anklagepunkt ist der, daß dem Herrn Dr* Sebastian Brunner noch vvrgeworfen wurde, er treibe mit der ״Kirchenzcttung" ein Geschäft. Es hat bereits Herr Kuranda im Laufe des Beweisverfahrens aus das Eklatanteste dargethan, daß damit kein Vorwurf gemeint sein kann. Es ist in der That auch nicht einzuschen, wie Jemand öffentlich an seiner Ehre Schaden leiden soll, wenn man sagt, er ist Redakteur, er gibt seine Zeitung gegen Bezahlung hin. Daß die ״Kirchen-Zcjtung" ihr Geschäft mit Juden-Artikeln macht, ist in Wahrheit so. Die ״Kirchen-Zcitnng" ist hauptsächlich mit Juden-Artikeln vollgepropft. Was kann nun aber das Motiv hievon sein? Ich werde noch darauf zurückkommen, darznthun, was das Wahre an der Sache ist. Offenbar wird die ״Kirchen-Zeitnng" hiebet von nichts Anderem geleitet, als von dem Strebe», die Zeitung, die Herr Dr. Bninner redtgirt, für den großen Hausen so pikant als möglich zu machen. Der große Haufe liebt den Skandal (und daß der große Haufe Skandal liebt, daran ist die übrige Journalistik nicht schuld). Wenn eine Zeitung stch mit der Ausschrotnng der Juden abgibt, wenn sie die Judenhctze zu ihrem Inhalte macht, wird es immer Leute geben die daran Geschmack finden, und dann ist Herr Dr. Brunner vom geschäftlichen Standpunkte kein schlechter Spekulant, wenn er die Inden-Artikel zum Hauptinhalte der ״Kirchen-Zeitung" macht. Ich glaube, daß gegen die bisher erörterten Klagepunkte der Beweis der Wahrheit geführt ist, und es hängt damit noch die historisch erwiesene Bemerkung zusammen, welche gleichfalls einen An-