Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 60 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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60 PreßProerß Jude ist, so -findet sich Herr Or. Brunner bewogen, diesen Inden j aus dem Dunkel der Kathedrale hervorzuziehen und sofort wieder j eine Geißelung der Inden öffentlich ansznsühren. Alle Artikel der i ״Wiener Kirchenzettung" -strotzen von Ausfällen gegen die Juden, | und mau könnte, wenn man fie nicht, wie mein Herr Klient, als I zur Ausschrotung der Juden, bestimmt bezeichnen wollte, sie doch gej wiß als eine Zeitung zur Ausrottung der Juden charakterisircn. Daß ׳:j also diese Zeitung nur irriger Weise den Namen ״Kirchenzeitung" j trägt, daß sie die Jntereffen der Kirche sehr wenig vertritt, da sie j in den Vordergrund ihrer Bestimmung die strenge Mission der -s5ecksia ■militans stellt, das ist eklatant bewiesen, und in -dieser Richtung ist rücksichtlich des ersten Punktes der Anklage der Beweis der Wahrheit auf statistischem, auf empirischem Wege, auf dem Wege des Augenscheines, vollständigst gelungen. Was den zweiten Punkt der Anklage anbelangt, so liegt er in dem Borwurfe der Skandalsncht, und diesen Vorwurf hat die j| Verthcidigung, sowie namentlich der Angeklagte in feiner Verantwortung völlig gerechtfertigt. Die Artikel der ״Kirchenzeitung" sind, soweit sic Juden betreffen, nur skandalöser Natur; sie sind es, was j : ihre Form betrifft, wie in ihrem Inhalte. Ich berufe mich auf die! reichhaltige Blumenlese, auf das Bouquet von Bezeichnungen von . Juden und Literaten, welches ich in der heutigen Verhandlung vorz zulesen die Ehre hatte, und welche selbst I)r. Brunner für authentisch hält. Die Ausdrücke: ״Schreibjuden, freches Judenliteratcirthum, demokratisch-jüdisch-revolnttonäre Journalistik, Thcaterjudcn, Herren aus Israel, der jüdische Eigenthümer und Redakteur der Ost-Deutscheu Post, Ritter der Ehrenlegion, Herr Ignaz Kurand« us. w. diese Ausdrücke kommen nicht auf einer Seite, sondern auf vielen hundert Seiten der ״Ktrcheuzeitung" vor, sie sind mit der Feder! des D . Brunner identificirt, so daß er -eigentlich in Beziehung auf | Juden nicht mehr anders zu schreiben vermag, da ihm diese Schreibart zur Technik geworden ist. Diese Angewöhnung läßt seine Styltstik sogar t» einem milderen Lichte erscheinen, denn -nicht so sehr die Form des Styls, nicht etlva blos die Ausdrucksweise, sonder!: der Inhalt ist es, womit seinerseits Schmähungen gegen Juden und Judenthum, ansgesprochen werden¬ Aber der Skandal taucht noch in einer andern Weise ans. Der