Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 59 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda. 59 ner verächtlicher Eigenschaften und Gesinnungen geziehen haben soll, und in die Klage nach § 497 des Strafgesetzbuches, weil Herr Knranda dem Herrn Dr. Brunner öffentlich ein, im strafgerichtlichen Wege geschöpftes Urthetl vorgeworfen haben soll. Ich werde mich dem letzteren Theil der Anklage (weil er der geringfügigere ist) zuletzt zuwenden und gehe zuerst auf denjenigen Theil der Anklage, welcher auf den § 491 des Strafgesetzbuches basirt ist, ein. Ich habe bereits im Lause des Beweisverfahrens Akt davon genommen, daß Herr Dr. Sebastian Brunner einen der sechs Anklagepunkte fallen lasse, nämlich denjenigen, welcher sich darauf stützt, es sei dem Herrn Dr. Sebastian Brunner vorgeworfen worden, daß seine Zeitung eine Harlektnsjacke von ausgeschnittenen Zeitungsfetzen ist. De. Sebastian Brunner hat in ancrkennenswcrther Aufrichtigkeit diese Thatsache selbst zugestanden, und es ist daher über diesen Punkt der Anklage kein Wort weiter zn verlieren. Es erübrtgen uns somit noch die anderen Punkte der Anklage und ich werde, auf die juristische Pointe mich beschränkend, sofort die einzelnen Auklagepunkte in ihrer Reihenfolge besprechen. Der 1. Punkt, welcher Herrn Kuranda zur Last gelegt wird, ist die Behauptung, daß die ״Kirchenzeitung" des Herrn Dr, Sebastian Brunner eigentlich einen falschen Titel führe, daß unter dem Namen der ״Ktrchenzeitung" pamphlctartige Ausfälle eingeführt und dem Publikum zur Lektüre unterbreitet wurden. Ich habe dem hohen Gerichtshöfe in sehr summartscher Darlegung uachgewiesen, daß der größte Theil der ״Kirchenzeitung" sich nur mit den Juden beschäftigt; von der 2. Hälfte des Jahrgangs 1859 enthält nur die unschuldige Nummer 34 keinen Artikel über die Juden, und wer weiß, wenn ich auch diese Nummer nochmals einer genauen minutiösen Revision unterzöge, ob ich nicht in irgend einem Winkel auf irgend einen Ausfall, auf trgend einen verborgenen Juden stieße. Es ist einmal schon eine Etgcnthnmlichkett des Herrn Dr. Brunner, überall Juden zu wittern, und wo er sie findet, sie zu geißeln Ich erinnere an eine Correspondenz vom Jahre 1859, aus Vcrcclli. Es wird da von einer italienischen Kathedrale gesprochen. Ich frage nun, was hat ein Jude, was das Judenthum mit einer italienischen Kathedrale zu thun? Wohl, ein Jude, ein jüdischer Maler wurde damit betraut, diese Kathedrale auszumale», und weil der Künstler ganz zufällig ein