Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 56 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Preßprozeß. Post" sagt, daß alle Großen ׳der deutschen Nation für die Juden schwärmen, so habe ich gesagt: Nun gut, wir wollen sehen, und ich habe alle Philosophen cttirt: Kante, Fichte, Schoppenhauer, die in ihren philosophischen Ansichten wie Radien divergiren, die aber in Beziehung aus Juden, eine schlechte Ansicht haben; sie haben ein schlechtes Urthetl gefällt, dafür kann ich nicht, Daß ich sie citirt Habe, ist keine Böswilligkeit. Man sagte mir, das muß ich Nachlesen, so m! ß ich das Recht haben, es nachzulesen. Hätte er, statt mich zu beschimpfen, in philosophischen Werken neuer Schriftsteller nachgesucht um Stellen, die für die Juden plaidiren, so hätte er sie drucken lassen können, ich hätte sie sogar abgedruckt, und das kann er noch jetzt thun; aber ich kann nicht, was in seinem Artikel steht, als eine Wiederlegung betrachten; ich werde immer nur geschmäht, ich werde nicht wiederlegt, denn das sind nnr Kraftausdrücke, auf die ich eben so wenig etwas geben kann, wie auf das russische Mintsterium für Aufklärung. Ich komme nun zum Schluß. Ich bin keineswegs da zur Rache und Rache zu üben, und der mich kennt, sagt, daß ich ein guter Mensch bin, der keinem einen Schaden anthun will; ich werde in vielen Sachen viel zu gut; in dieser Sache kann ich nicht mehr, hier erfordert es die Christlichkeit. Ich verlange nur den Ausspruch, Herr Kuranda habe kein Recht, mich so zu schmähen, und daß die Schmähungen in der ״Qst-Deutscheu Post" nicht fortgesetzt werden. Nachdem nun aber ein Strafausmaß damit verknüpft ist, so möge es das allermtndeste sein, 10 oder 5 fl., denn ich will keinem Menschen einen Tag von dem kostbaren Sonnenlichte rauben. Ich weiß, was es heißt, da zu sitzen als Angeklagter, es hat mir auch nicht gefallen, es ist mir auch zuwider gewesen. Präsident: Verlangen Sie auch, daß mit dem Gesetze verbunden werden kann, daß dasselbe in der ״Ost-Deutschen Post" verösfentlicht werde? vr. Brunner: Das gehört Alles zusammen, ichwtll nur das mindeste Ausmaß der Strafe. Ich will gar keine Lcibesstrafc; ich könnte Herrn Kuranda mit keinem guten Gewissen auf der Gasse begegnen, wenn ich wüßte, daß er meinethalben hat leiden müssen, und die paar -Gulden sind ihm kein Schaden; er ist im Verhältniß zu mir ein reicher Mann. Br. Berger: ״An die streng juristischen Formen gewohnt, in