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Jeschurun · 1860-10-01 · Heft 1 (Oktober 1860) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 1 (Oktober 1860)
Article
Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
Date
1860-10-01
Page
54 (sequence 17)
Language
German
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54 Preßprszeß. diese Ansicht haben können, und wahrscheinlich noch dieselbe Ansicht haben, was deutlich aus der Stelle hervorgeht. Ich berufe mich übrtgens hier auf ein Buch von Jost, der ein Jude ist, und auf seine Geschichte des Judenthums. Wenn man dort liest über die Chasstdim, muß man sagen: Da findet der Talmud in seiner schauerlichsten Weise seine Anwendung. Die Hemmung der Judengesetze ist mir vorgeworfen worden; da kann ich dem Herrn Knranda sagen, daß das eine Nothwendigkeit ist, daß ich darüber viel nachgelesen. Ich habe in der Dominikaner-Bibliothek das ganze -Tu» caBonicum dnrchgenommen, und da habe ich auch gefunden, wie die Judengesetze immer gekommen find. Sie find nicht von oben herabgefallen, sondern ste sind von unten aus dem Boden heransgewachsen nvthwendigerwrise. Man schimpft über das Verbot wegen des Haltens christlicher Dienstboten; ich gebe zu, daß es jüdische Häuser geben mag, wo die Dienstboten besser gehalten sind, und wo man sie eher in die Kirche gehen läßt, als in christlichen, aber dennoch ist im Principe dieses Gebot eine Nothwendigkeit gewesen. Es steht in der Gemara, daß dem Rabbi Elieser seine Magd gestorben ist, und daß seine Schüler ihn bedauert haben; da sagte er zu ihnen: Ihr dürft mich nicht bedauern um eine Magd, denn eine Magd ist wie ein Vieh zu halten, geht sie zu Grunde, so schafft man sich eine andere; das ist eine harte Lehre, die jedoch im Talmud steht. Ich bin überzeugt, daß Ste, Herr Kuranda, damit nicht einverstanden sind, daß die Dienstboten bei Ihnen wohl besser gehalten werden, als anderSwv, denn Ste sind ein humaner Mensch (im Publikum Unruhe). Die Talmudgesetze stelle ja nicht ich auf, die cxtsttrcn nun einmal; und wenn es heißen sollte, daß der Talmud nicht existirt, es ist blos eine Wissenschaft der Alten, so antworte ich darauf, daß er noch immer gelehr! wird, den» wir haben Talmndsch»- len in Padua, tu Preßbnrg, und es sind sogar noch neue Talmudschulen in Berlin und Hamburg eröffnet worden, so daß jetzt mehr Schule», als vor hundert Jahren gewesen sind, existiren. Der Talmud ist somit nicht ein Buch, das man als aus dem Gebrauch gesetzt betrachten könne. Daß Anekdoten über Juden gekommen, das kann man mir als Lieblosigkeit auslegcn, ich hätte sie auch verschweigen können; aber man bedenke, daß das nur die mindesten Repressalien sind, die als historische Fakta auftreten, gegenüber den!

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