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Jeschurun · 1860-10-01 · Heft 1 (Oktober 1860) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 1 (Oktober 1860)
Article
Tischri
Date
1860-10-01
Page
10 (sequence 10)
Language
German
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10 Tisihrt. Kräften, Gaben und Mitteln begeben. NVzn wir wollen H5ren was wir zu thun haben, und wagen nur die Vollbringung dessen, was wir von Gott vernommen. Diese freiwillige Begebung der eigenen Selbstbestimmung, diesy freiwillige Hingebung in den Thatcn- und Herold-Dienst Gottes — nicht das blos passive Dulden des göttlichen Verhängnisses — ist das große jüdische Weltenopfer. Er wählt für uns, der Wahl haben wir uns begeben — wir sind nur Herolde und Diener; aber eben dieser Dienst macht uns selbstständig und freiund gewährt uns unsere schon hiniedige Unsterblichkeit. Was wir zu thun haben, ist für uns über alle Frage erhaben; die ganze Energie unseres Denkens und Wollcns ist nur dahin gerichtet, daß wir es vollbringen und wie wir es vollbringen, und in diesem freien Dienste entfaltet sich unser Geist, entwickelt sich unsere Kraft, blüht alles Menschliche und Göttliche in uns zur edelsten Vollendung auf, gewinnt alles Kleinste und Größte unserer Lebensentfaltung göttliche, ewige Bedeutung und eben das Bewußtsein, daß unser Geschick und unser Leben nicht von uns, sonder« von Gott, dem ewigen Horte der Welt getragen und bestimmt ist, gibt uns eine Zuversicht, eine Selbstständigkeit, eine Festigkeit/ und eine Allem widerstehende, Allem obsiegende Kraft und Dauer, die mit der Ewigkeit der Welt in Stetigkeit und Ausdauer wettcifert. Als eigene Herren und Meister unseres Geschickes und unserer That wären wir schwankend und wankend, wären wir haltlos und trostlos, stünden wir mit der übrigen Menschheit nach Jahrtausenden noch an dem ersten Anfang des A B C des Lebens, und warteten noch erst auf den Aufschluß kommender Jahrhunderte, uns endlich einmal endgilttg zu lehren: wie denn das Menschen-, Familien- und Staatenleben zu begründen und zu vollenden sei, und wo denn für bas Menschen-, Familien- und Staatenleben des Menschen und der Menschheit das Licht wohne und das Heil. Als Verwalter und Diencr im Reiche Gottes ist uns die Wahrheit gegeben, sind uns die Ziele gesteckt, von dem Quell aller Wahrheit und von dem Hort aller Ziele gegeben und gesteckt, — unser ganzes Leben, das Jahrtausende alte Leben unserer ganzen Nation geht auf in das Streben nach Erkenntniß dieser einen Wahrheit, in das Streben nach Erreichung dieses einen Zieles, in das Streben nach Vererbung dieses

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