Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Tischri
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Lied von dem Rosch Haschanah der Zuknnst. g dieser Anblick des gottgesegneten Volkes endlich mit Sehnsucht zu Haschem, zu diesem segnenden, beseligenden Gotte emporrust: so wisset, daß diese Seligkeit und dieser Friede auf ernstestem Grunde beruht, so lernet, daß Haschem, dieser Leben und seligstes Sein spendende Gott, zugleich עליון נורא als ״Hoher" furchtbar ist. Mit seiner Liebe Hauch in jedem Augenblick diejenigen neu belebend, die, sich selbst aufgebend dem Adlerfitttg seiner Führung sich ganz hingegeben, stehet er denen, die seiner Leitung sich entwunden, im eigenen Dünkel ihren Wandel in der Niederung der Erde führen, furchtbar aus der Fernhöhe seiner Allmacht gegenüber, und führt als ״großer König" seine Herrschaft über die Erde aus. Es hat der Mensch, es hat die Menschheit keine Wahl. Sie geht, gottgetragen, den seligsten Zielen entgegen, oder sie geht, im ohnmächtigen Kampfe mit Gott, trostlos zu Grunde. Israels ganze Geschichte ist ein Dokument dieser Wahrheit. Es steht gottgetragen, Völker, Staaten tief unter seinen geschichtlichen Gängen schwinden; es sieht gottgetragen, Völker, Staaten sich seinen geschichtlichen Gängen untersügend. In Israels Siegesgängen durch die Geschichte offenbart sich die Alles überwältigende Allmacht Gottes, in Israels geschichtlicher Erscheinung das verjüngte Vorbild der von aller Menschheit zu gewinnenden Bestimmung. Diese Bestimmung spricht das Distichon aus: יבחר לנו את נחלתנו אח גאון יעקב אשר אהב הלה. und enthält so viele tief zu beherzigenden Wahrheiten als Worte. ״Er" — ״wählt uns" — ״unser Erbe" — wer das nachsprechen kann, der ist Jude und begreift die ganze Selbstverleug- »ung und das ganze Selbstgefühl des Juden, der begreift die jüdische Demuth und die jüdische Kraft. ״Er wählt für uns" — nicht nur unser Schicksal, unsere ganze Lebensaufgabe und Lebensbestimmung überlassen wir seiner Wahl. Wir bestimmen nicht über uns selbst und wollen nicht über uns bestimmen. Wir wollen nichts, als uns ihm ganz zu Gebote stellen, nichts als, Werkzeug und Diener sein seines Willens, was und wie er über uns gebietet. Wir haben uns der Selbstverfngung über den Gebrauch unseres Daseins mit allen diesem Dasein innewohnenden