Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 12 (September 1860)
- Article
- Das Rundschreiben des Vorstandes zu Stuhlweißenburg gegen Herrn Dr. Gugenheimer, Rabbiner daselbst
- Date
- 1860-09-01
- Page
- 656 (sequence 19)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Nakam 1× ep/1006357
OCR text
656 Da» Rundsch. de» Vorst, zu Smhlweißenburg gegen Hrn. vr. Gugenheimer re. ״Gott ״Nakam jabo", in der rächenden Gerechtigkeit erscheint Er, ״die Vergeltung Gottes kommt und schafft euch Heil. Dann werden ״die Augen der Blinden geöffnet und geöffnet die Ohren der Tau- ״den!" Auf diese Stellen schaut unser Gebet in dem ganzen Zusammenhange hin, und wir glauben nicht, daß sich irgend eine Zeit und irgend ein Kreis, selbst nicht der eines Vorstandes in Stuhl- Weißenburg, über die sittliche Stufe unseres Moses, der Psalmen und Propheten erhaben dünken dürste. Wir erkennen vielmehr in allem dem nichts als denselben blaSpheniirenden Hochmuth, der ja auch heilige, unverbrüchliche Religionsvorschriften und durch allgemeinen Usus der Jahrhunderte sanktionirte, ״religiöse" den Gewissen seiner Nation heilige Bräuche ״schädliche" Sitten, alte ״Mißbräuche" und mittelalterlichen ״Aberglauben" lästernd zu nennen sich nicht entblödet. Wohl sind einige ähnliche Stellen aus unfern Liturgien geschwunden; aber nur weil sie zu feindseligen Mißdeutungen nichtjüdischer Kreise Veranlassung gegeben, und die nichtjüdtsche Welt zu wenig erleuchtet war um vernünftiger Aufklärung Raum zu gestatten. Allein in unserer Zeit, aus freien Stücken, und aus solchen, wie vom Vorstande angedeuteten Motiven, solche Worte aus unfern Liturgien streichen, hieße unsere ganze Vergangenheit, hieße alle übrigen mttlebenden Zeitgenossen, hieße uns selbst verdächtigen, als habe bis jetzt, als habe je bei uns das Gefühl der Rache gegen die uns feindliche nichtjüdische Welt Platz gegriffen, als wären je rachgierige Gefühle bei Juden gegen Nichtjuden heimisch gewesen! Wer solche Stellen aus solchen Motiven streicht, oder deren Streichung aus solchen Motiven öffentlich vertheidigt, ist ein Moßer, ist ein Verläumder seiner eigenen Nation, die wahrlich nicht vor dem Hauche einiger, der Mißdeutung Böswilliger vielleicht unterliegender Worte sich zu verkriechen hat. Die ganze jüdische Geschichte, das ganze Leben, welches das jüdische Volk Jahrtausende v herab vor den Augen der Völker gelebt hat, straft solche Verläumder ihres eigenen Volkes Lügen. Geduldet haben die Inden von je, gerächt sich nie. Oder haben sich gerächt, wie der edle Mensch Rache nimmt, indem er .seinen FeindenGutes thut, haben es von je als קידוש השם, als höchste, gottverherrlichende Mizwah betrachtet, selbst der sie höhnenden und drückenden nichtjüdischen Menschheit die reinste Men-