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Jeschurun · 1860-09-01 · Heft 12 (September 1860) · p. 642

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 12 (September 1860)
Article
Das Rundschreiben des Vorstandes zu Stuhlweißenburg gegen Herrn Dr. Gugenheimer, Rabbiner daselbst
Date
1860-09-01
Page
642 (sequence 5)
Language
German
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642 Das Rimdsch. des Borst, zu Stuhlweißenburg gegen Hrn. vr. Gugenhelmer rc. wenn wir ihrer uns entledigt, wenn Jozer und Piuttm geschwunden, wenn wir nicht mehr so früh aufzustehen brauchen um unserm Gotte zu dienen, wenn erst Wesoth Hattora gleich vor dem Vorlesen recttirt wird, wenn der Vvrbeter ohne aus dem Gesetze gelesen zu haben aus den Propheten vorliest, wenn die Tcmpelzerstörungsseier durch ein schwarzes Perochet feierlich gemacht, der Lechododt-Refrain nicht zwischen jeder Strophe wiederholt wird, der Cantor erst gar mit zugerolltem Tallts steht und wir mit Chorgesang unsere Leichen bestatten, dann, wenn wir alle diese Siege erstritten, dann baden wir uns im Lichte der ״Wahrheit", dann haben wir eine gereinigte ״Gottesverehrung", dann mögen uns die Männer mit dem echten Prophetengeiste glücklich preisen — dann sind vor dem Lichte der Wahrheit und der reinen Gottesverehrung die Nachtgespenster des Aberglaubens, des Mißbrauchs und der schädlichen Sitte geflohen — ist die Bornirthett oder die Keckheit größer, die sich in dieser ganzen Klagepistel ansspricht? Aber noch mehr — noch immer ganz abgesehen von der Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit der Forderungen des Vorstandes und den Versagungen des Rabbiners — auf welcher Seite steht denn vor jeder vernünftigen, besonnenen Einsicht, der wirkliche wahre Geist der Wahrheit und einer reinen, wahrhaftigen Gottesverehrung, auf welcher Seite der wirkliche, wahrhaftige Fortschritt zu einer reinen, wahrhaftigen Gottesverehrung, auf der Seite dieser vom Rabbiner festgchaltenen alten Gebräuche, oder auf Sette der vom Vorstande geforderten Neuerungen? In jenen alten Gebräuchen ist der ״Gedanke" das Vorherrschende, das sinnlich Aesthetische das Sekundäre, die denkende Vernunft hat sie erzeugt, vernünftige Gedanken wollen sie wecken, und durch den Gedanken Geist und Herz zu Gott und zu unserer Pflicht führen. Jene Forderungen des Vorstandes sind aber meist gedankenlose Kinder einer stnneschmeichelnden, bequemlichkeithuldigenden Geschmacks- und Gefühlsrichtung — und wir könnten noch zweifeln wo der wahre Fortschritt und wo der Rückschritt in Wahrheit? Das den ganzen Körper umhüllende Taüith repräsentirt den Gedanken des durch das Schaufädensymbol geheiligten Menschengewandes — das zusammengerollte Talith repräsentirt gar nichts, macht nur die Erscheinung des Cantors malerischer und bietet die Schönheit des Chorrocks dem Blicke der Andächtigen zur Bewunde-

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