Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 11 (August 1860)
- Article
- Aw
- Date
- 1860-08-01
- Page
- 590 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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590 Aw. Festtage im Exil vermißten Festopfer mit kecker Hand — aus unseren Fcstgebeten streichen? Wie aber — wenn Opfer so Hohes, ja vielleicht das Höchste bedeuten, das Gott uns für unsere Heiligung gereicht, wie konnten sie so in Mißbrauch entarten, daß deßhalb Gott durch den Mund seiner GeistcSherolde die stärksten, verwerfendsten Urtheile über die Opfer ihrer Zeit anssprechen lassen mußte? Weil Gott dasselbe verwerfende Urtheil über Alles aussprechen würde, was nicht unsere Heiligung selbst ist, was uns nur zu unserer Heiligung gereicht ist, wenn wir uns nicht dadurch zur Heiligung unseres ganzen Wandels führen lassen, sondern es selbst als Heiligung begreifen, in ihm, das nur Anfang und Mittel sein sollte, Ende und Ziel unserer Heiligung erblicken, es an die Stelle unserer Lebenshetltg- Jett setzen, und damit, .daß wir es üben, der ganzen übrigen wirkltchen Heiliguug unseres ganzen Lebens uns dtspensirt halten. Weil Gott dasselbe verwerfende Urtheil über jede einseitige Willkür sprechen würde, mit der wir — sei es irgend welches seiner Gebote, willkürlich, in überwiegender oder gar ansschließcnder Einseitigkeit heraushebcn, und uns durch die Erfüllung dieses Einen, der Ersüllung alles Uebrigen üherhoben zu sein wähnen. Bricht denn das Gottcswort nur über Opfer den Stab? ״Was sollen mir die Menge eurer Opfer?" spricht Gott freilich durch Jesaiaö Mund, aber sofort auch: ״Eure Neumonde und eure Festtage haßt meine Seele, sic sind mir zur Last, ich bin müde sie zu tragen!" Und sofort auch: ״Und wenn ihr eure Hände aufhebt berge ich meine Augen von euch, auch wenn ihr viel betet höre ich nicht!" Und Amos 5, 21: ״Ich hasse, ich verachte eure Feste und merke nicht hin auf eure Feier; denn wenn ihr mir Ganzopfer und Mehlopfer bringet so will ich sie nicht, und das Fricdopfer eure Gemästeten sehe ich nicht an. Entferne vor mir die Menge deiner Gesänge, die Melodie deiner Psalter ich höre sie nicht." Also nicht Opfer allein, auch Festtage und Feier, auch Gebete und Chorgesänge liegen in demselben Bann göttlicher Verurtheilung, wenn sie uns nicht zu einer Heiliguug des ganzen Lebens durch Gottes Gesetz, wenn sie uns nicht zur Heiligung Gottes durch Gehorsam im ganzen Leden, wenn sie uns nicht zu einem gotcdienenben Ausbau des Lebens