Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 11 (August 1860)
- Article
- Aw
- Date
- 1860-08-01
- Page
- 588 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932889-2945015--05847-2945054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
588 Tempel, an den Versöhnungstag — oder im Kreise des Einzel- und Familienlebens, an den Ausganz aus dem Wochenbett, an überstandenc Krankheiten, an vollbrachte Enthaltsamkettsübungen, an Momente des Dankes und des Frohsinns vor Gott und an Momente der Zerknirschung und Rene —; wer ferner liest, wie gerade das Höchste, das ein Mensch vor Gott nur durch die sittlichste Vollendung erringen und das Höchste, das Gott einem Sterblichen zu verleihen vermag: Gottesnähe, Reinheit, Wiedergeburt, Wohlgefallen, Gottes Wort als durch Opfer zu gewinnen ausspricht; der muß sich sagen: Diese Opfer müssen das Höchste enthalten, das nur dem Menschen zu seiner filttlichett Vollendüng zum Bewußtsein zu bringen ist, und müssen dies in einer Weise zum Bewußtsein bringen, die durch irgend Anderes nur nothdürftig ersetzt werden kann. Der muß sich sagen: das höchste Ideal der sittlichen Aufgabe des Menschen und der Nation muß in diesen Opfer-- Handlungen zum Ausdruck kommen, es muß das Blut und die Niere, das Haupt und die Glieder in diesen Opferhandlungen sagen, was wir mit jedem Blutstropfen unseres Lebens, mit jedem Triebe, jedem Sinn, jeder Kraft und jeder Bewegung unseres ganzen Wesens Gott und seinem heiligen Gesetze zu leisten haben,und indem wir diese Opserhandlungen an der von Gott für fein Gesetz geweihten Stätte zum Vollzug bringen, müssen wir damit das Bekenntniß und das Gelöbniß unserer höchsten sittlichen Lebenserfüllung also aussprechen, daß Gott die Stätte dieses Nationalbckenntnisses mit der Gegenwart seiner Herrlichkeit und mit dem Ergüsse seines Wohlwollcns und seiner Gnade zu segne» vermag. Und da wollen wir uns wundern, daß, wie wir gesehen, dieselben gottgesandten Männer, die mit so scharfen Worten die Opfer ihrer dem sittlichen Untergange zuetlenden Zeitgenossen geißelten, doch deren einstige sittliche Wiedererhebung und gnadenreiche Wiederverherrlichung nur Hand in Hand mit Wiederherstellung eben dieses ״Opfercultus" verheißen? Oder wollen nicht mit Hoschca, — der,