Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 11 (August 1860)
- Article
- Aw
- Date
- 1860-08-01
- Page
- 581 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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581 Das Zto« der Zukunft und die heutige Reform. fallen in Gefahr, wenn der Messias kommt — und eben ihr drohender Fall weckt den Messias. Mochte Jahrtausende lang Zion in Trümmern und der Tcmpel in Asche liegen, so lange Israels Herz diesem Gottesheiligthum als seinem geistigen Mittelpunkte zugewandt blieb, so lange es bestrebt war, das göttliche Gesetz, dessen Depositär eben der Tempel war, in seiner Totalität in lebendigem Bewußtsein und sich für die volle Erfüllung desselben stets wach und bereit zu erhalten, so lange es die ״Abvda", die ״Dienstweihe", eben wie sie au dieser Gottesstätte des ewigen Gesetzes — nicht durch bloße Gedanken- und Gefühls-Regung, sondern durch Da Hingebung des ganzen Lebe ns m it all seinen Kräfte n, Organen und Mitteln — דם אימורים איברים נסכים — nicht durch Wort, sondern durch redende Handlungen gelehrt wird, sich immer als die durch die That zu verwirklichende jüdische Lebensaufgabe präsent hielt und unverwandten Auges das Ziel seiner geschichtlichen Wallfahrt nur in jenen Tagen erblickte, in welchen sein Leben einst — wie es noch nimmer dauernd gewesen — würdig sein werde, als lebendiger Commentar dieser Abvda zu dienen, daß daun diese Abvda nicht Lügen gestraft werde durch das Gesammtleben, das sich um sie entfalte, und dieses Gesammtleben nicht zu erröthcn habe vor dem Inhalt der Abvda, die in seiner Mitte als Gottespredigt an die Menschheit vollzogen wird, — solange Israel es fühlte, seine Sünden haben den Tempel zerstört und seine Aufgabe sei, einzig durch seine Tugenden den Tempel wieder zu erbauen — so lange war der Tempel noch nicht vernichtet, so lange stand die Davids Hütte noch in Israels Geiste aufrecht — und Zion und das Gotteshetligthum waren noch immer die starken lebendigen Erzieher des jüdischen Volkes für seine Bestimmung. Wenn aber das jüdische Volk mitten auf dem Wege seiner Erziehung seine Erzieher verabschiedet, in Zion und dem Gottcsheiligthum nur die Wärter seiner unmündigen Kindheit erblickt, sich selbst den Freibrief der Mündigkeit und Reife ausstellt, und mit unendlichem Hochmuthe ans seine Väter und Mütter hinabschaut, deren geistige und sittliche Stufe nicht tief genug und die eigene errungene nicht hoch genug veranschlagen zu können vermeint, aus dieser dummstolzen Vogelperspektive das ganze Verständntß für Zion ss«