Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 565 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda. 565 chen für die Spodium-Erzeugung ausklaubt, so sucht Herr Brunner aus dem Kehricht der Literatur alter und neuer Zeit Stoff für sein Geschäft, er citirt den edlen Quirin Endlich als Autorität, der natürlich nicht unterläßt, seinen edlen Freund Brunner dafür hoch zu achtens Der Hauptkunstgriff dieses spekulativen Mannes sind seine Citäte aus hebräischen Schriften. Es thut ihm dabei offenbar auch der Gedanke wohl, daß man ihn in der Ferne für einen ungemeinen Kenner hebräischer Literatur und Sprache halten muß. Wir werden bei einer andern Gelegenheit die Kenntnisse dieses Mannes ins gehörige Licht stellen, nicht etwa aus dem Gebiete orientalischer Sprachen und jüdischer Theologie — wo seine Jg» noranz verzeihlich wäre, — sondern auf Gebieten, wo die Unwissenheie grell und lächerlich ist, wenn man so das Maul voll nimmt wie Herr Brunner. Doch für heute wollen wir bet der Sache bleiben. Von den hebräischen Autoren, welche die ״Kirchenzeitung" in fpaltenlangen Auszügen allwöchentlich citirt, hat Herr Sebastian Brunner nicht den hundertsten Theil jemals zu Gesicht bekommen. Er schmückt sich mit den Federn, die er auf dem Miste eines Eisenmenger, Pfefferkorn u. s. w. gefunden. Denn Spekulanten, wie Herr Sebastian Brunner, hat es auch in früheren Jahrhunderten in Menge gegeben. Ein getaufter Jude, Namens Pfefferkorn, war der Erste, der gegen das Ende des 15. Jahrhunderts in seinem ״Handspiegel" die Wegnahme und Verbrennung aller jüdischen Bücher beantragte, indem er einseitige und entstellende Auszüge (die Herr Brunner heute noch benützt) lieferte. Aber einer der edelsten deutschen Geister, eine Zierde deutscher Wissenschaft, Reuchlin deckte den wahren Sachverhalt auf, und Kaiser und Reich nahmen bei dem dadurch entständenen Streite für Reuchlin Partei. Ein anderer getaufter Jude, Eisenmenger, veröffentlichte zu Ende des 17. Jahrhunderts ״das neu entdeckte Judcnthum", eine Sammlung von Stellen aus dem Talmud und ähnlichen Schriften, die gleichfalls in tendenziöser Weise zur Anschürung des Juden- Hasses ausgebeutet wurden, wogegen Kaiser Leopold I. drei Mal einschreiten ließ. Ueber alle diese Bücher hat die historische