Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 564 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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564 verdienen, nicht einmal den Haß und das blöde Vorurtheil scheuen dürfen, dem sie in jenen Gegenden ausgesetzt sind; der stille Land- Pfarrer, der aus der Abgeschlossenheit des Seminariums ohne Kenntniß der Menschen und der Gesellschaft in den engen Kreis seiner Dorfgemeinde trat: das ist das Publikum, das Herr Sebastian Brunner zunächst im Auge hat. Wer die Juden aus den furchtbaren, haarsträubenden Schilderungen kennen lernt, welche die ״Kirchenzettung" von ihnen entwirft, dem muß es unbegreislich sein, wie Fürsten und Völker nicht längst das Fallbeil aufgerichtet und den Scheiterhaufen angezündet haben, um dieses furchtbare Geschlecht mit einem Schlage zu vertilgen. Und in der That gibt Herr Sebastian Brunner ein um das andere Mal verblümt zu verstehen, daß eine Katastrophe dieser Art demnächst etntreten werde, daß der wilde Haß der ״bedrohteu" christlichen Bevölkerung aus die Juden stürzen werde, — das Wettere wollen wir nicht ausmalen. Die Mittel, mit welchen Herr Brunner fein edles Geschäft betreibt, sind eben so unwürdig als bequem. Sie sind ganz angemessen jenen literarischen Handwerkern, die zu faul, zu seicht, zu leichtsinnig, um aus sich selbst zu schöpfen, die Kompilation und den Nachdruck anwenden, um einen skandalösen Effekt hervorzubrinßen. Man kennt die Methode des berüchtigten Vehse. Wer die deutschen Fürstcnhöfe und Konigsgeschlechter nur aus den Memoiren beurthetlen wollte, welche dieser bösartige und gewtssenlose Mensch aus den Abfällen der Geschichte, aus alten Schmähschristen, Pamphleten und notorischen Lügenchroniken zusammengetragen hat, um Schmach und Schande über Alles zu verbreiten, was seine schmutzige Feder berührt, — welchen entsetzlichen Begriff von dem Charakter und der Entstehungsgeschichte der ersten Familien Deutschlands würde der erhalten! Herrn Sebastian Brunners Prozedur gegen die Juden ist aber nicht im Minbesten von der des säubern Herrn Vehse verschieden. Es gibt keine Schrift, die seit der Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf heule erschienen ist, die ihm zu schlecht wäre, sie als Autorität anzuführeu, wenn sie in irgend einem Winkel eine Verunglimpfung der Juden birgt. Wie der Lumpensammler von jedem Misthaufen die Abfälle für die Papierfabrik und die Kno-