Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 563 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Sebastian Brunner eorites Ignaz Kriranda. 568 etwa in der Erweckung kirchlichen Geistes, sondern in der Be-- sriedigung der Skandalsucht liegt. Wo in den Zeitungen irgend eine gehässige, verdächtigende Notiz zu finden ist, die im alleräußersten Zusammenhänge mit konfessionellen Interessen steht, wird sie von Herrn Brunner bei den Haaren herbeigezogen und mit zähnefletschenden Glossen noch bitterer gestaltet. In einer so hochernsten Zeit wie die fetzige, wo alle Geister von dem, was in Italien sich vorbereitet, präokkupirt find, hat die ״Wiener Kirchenzettung" kein dringenderes Geschäft, als die Leidenschaft der christlichen Bevölkerung Oesterreichs zu dem wüthendsten Hasse gegen die Juden aufzustacheln, nicht etwa vorübergehend in einem Artikel, sondern allwöchentlich in zwei, drei, ja, wie die letzte Nummer zeigt, in acht Artikeln — die Notizen gar nicht gerechnet. Sind es wirklich die Juden, von welchen die Interessen der Kirche in diesem Augenblicke so bedroht werden, um einen solchen Aufwand der leidenschaftlichsten Abwehr nöthig zu machen, um einen so furchtbaren Kreuzzug des Volkshasses gegen sie predigen zu müssen? Nein, nicht die Kirche, sondern die Interessen des Geschäftes, das Herr Brunner betreibt, scheinen solche Artikel zu erfordern. Der Literat, der die ״Kirchenzettunz" herausgiebt, sucht seinen geschäftlichen Vortheil wie irgend ein anderer literarischer Industrie!- ler. Die Juden sind ein kurrenter Artikel; wie im Carltheater und im Theater an der Wien die ״edlen Zudenstücke" gegeben werden, weil sie Kassa machen, so hat sich Herr Sebasttan Brunner ein Geschäft errichtet, wo allwöchentlich Juden ausgeschrotet werden. ״Alle ziehen ihres Weges fort An ihr Geschäft — und meines ist der Mord." Herr Sebastian Brunner hat die Judenhetze zu seinem literarischen Industriezweig erwählt, er arbeitet in diesem Artikel wie eine Fabrik, die aus Menschenknochen Spodium berettet. Beide Geschäfte haben einen üblen Geruch, aber sie sinden Abnehmer, es wird Geld verdient und das genügt. -Es gibt in Oesterreich wette Länderstriche und ganze Provinzen, wo man einen Juden nie gesehen oder höchstens einen jener armen kümmerlichen Dorfgeher, die, um ihr tägliches Brod ehrliche zu