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Jeschurun · 1860-07-01 · Heft 10 (Juli 1860) · p. 562

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 10 (Juli 1860)
Article
Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
Date
1860-07-01
Page
562 (sequence 7)
Language
German
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562 Preßprozeß. wetzen. Wir haben diesem Thun nun wochenlang still zugesehen, aber die Zeit und die Gegenstände find zu ernst, als daß wir nicht endlich das Treiben dieses Literaten in das gehörige Licht stellen sollten. Es ist ein alter Kunstgriff schlechter Verlagsfirmen, Bücher, von denen fie wissen, daß sie ob ihres unsittlichen oder gefährltchen Inhalts in irgend einem Staate verboten sind, unter falschem Titel dorthin zu versenden, und manches gottlose Buch ist unter dem Titelblatte einer Bibel geschmuggelt worden. Eines ähnlichen Kunstgriffes bedient sich Herr Sebastian Brunner, indem er die häßlichen und gehässigen Pamphlete, die er allwöchentlich gegen die Juden veröffentlicht, unter der Ueber- ' schrift einer ״Kirchenzeitung" erscheinen läßt. Wenn man mit der Hand den Titel dieser Zeitschrift;»decken und Jemand fragen würde, was dies für ein Blatt ist, so würde er namentlich aus den Beilagen schließen, daß es eines jener Schmähblätter sein müsse, die zur Schande der gebildeten Presse in irgend einem Winkel Deutschlands erscheinen. Ja, es würde sogar schwer werden, diesen Winkel zu errathen, da solche Zügeüosigkeit, solche brutale Hetze gegen Tausende und Tausende von Mitbürgern selbst in den Zeiten der erbittersten gesellschaftltchen Wirren zu den Seltenheiten gehören. Bei einer ״Kirchenzeitung" setzt man vor Allem die Vertheidignng kirchlicher Interessen voraus. Und wann hat die Kirche dringender der geistigen Streiter bedurft als in diesem Augenblicke, wo ein mächtiger Kaiser an der Spitze einer Nation, die an Dialektikern so reich ist, die Verträge zerreißt, welche dem Papst seinen weltlichen Besitz verbürgen? Aber zu solchen Arbeiten gat Herr Sebastian Brunner offenbar weder die Kenntnisse noch — den Ernst! Er ist ein Literat, der sich "sein Handwerk leicht macht. Die ״Wiener Kirchenzeitung" — waS stellt man sich nicht unter diesem pompösen Titel vor, welch' eine Reihe bedeutender, tief eingreifender Aufsätze er-- wartet man nicht von einem Blatte, das unter solchem Namen in der Metropole Oesterreichs erscheint? Und was findet man? Eine Harlekinsjacke von ausgeschnittenen Zeitungssetzen, Nachdruck und wieder Nachdruck, wobei das Redaktionsstzstem nicht

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