Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 561 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932888-2944904--05793-2944985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda. 561 Damals, als die orientalische Frage auf das Tapet kam und es sich darum handelte, für Belgien ein deutsches Organ zu errichten, wodurch eine Vermittelung zwischen Deutschland und Belgien bewirkt werden konnte, habe ich in Brüssel die ״Grenzboten" gegründet. Später übertrug ich diese Zeitschrift nach Deutschland und zwar nach Leipzig. Die Thätigkeit der ,,Grenzboteu" an diesem Orte ist wohl bekannt. ״Die Grenzboten" waren eine Zeitschrift, welche vor dem Jahre 1848 in allen inneren Fragen Oesterreichs den Reform- Vorschlägen das Wort sprach, in äußeren Fragen aber immer gut österreichisch gewesen ist. Im Jahre 1848 kam ich nach Wien, wurde hier in den Fünfziger-Ausschuß und später in das deutsche Parlament gewählt, ging nach Diskussion der Grundrechte wieder nach Wien zurück und begründete die ״Ost-Deutsche Post", deren Leitung ich « mit zweijähriger Unterbrechung) bis jetzt fortgeführi habe. Präsident: Ich habe erwähnt, daß aus den Artikeln der Ost-Deutschen Post nur sechs Punkte zunächst herausgehoben worden sind; es ist im Interesse der Verteidigung und der Klage, den Artikel in seiner ganzen Ausdehnung zu hören. Der Schriftführer verliest den inkrtmintrtcn Artikel der Ost- Deutschen Post vom 28. Jänner d. I. Derselbe lautet: ״Herr Sebastian Brunner. % Wien, 27. Jänner. Wir haben seit dem Bestehen dieser Zeitung von der Existenz des Herrn Sebastian Brunner nur zwei Mal Notiz genommen. Es geschah dies jüngstens, als die Judenfrage an die Tagesordnung kam und wir uns mit diesem politischen Stoffe nicht mehr und nicht minder beschäftigten als mit jeder andern bedeutenden Tagesfrage. Wir haben damals Herrn Brunner die Ehre erwiesen, ihn als einen anständigen Gegner zu behandeln, mit Beobachtung der guten Formen, die wir anch in der Polemik gerne im Auge behalten. Seit dieser Zeit ist die Ost- Deutsche Post ein stehender Artikel in dem Wochenblatte des Herrn Brunner geworden. Da ihn die rohen Schmähartikcl auf die Anklagebank gebracht und ein Strafurtheil ihm zugezogen haben, versucht er es jetzt mit uns. Die Milde mit der wir ihn behandelten, hat dem Manne offenbar Appetit gemacht, feine Zähne an uns zu