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Jeschurun · 1860-07-01 · Heft 10 (Juli 1860) · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 10 (Juli 1860)
Article
Herr Dr. Jost und meine Notiz in Liebermanns Kalender [Rezension]
Date
1860-07-01
Page
548 (sequence 6)
Language
German
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548 Herr vr. Zost und meine Notiz in Liebermanrr'S Kalender. funden, sondern ein bloßer Privatmord, weßhalb genau genommen gar keine Schuld die Nation und deren Vertreter trifft. Aber — frage ich — war dem also, sollten die Rabbtnen das nicht gefühlt haben? Was bewog sie, sich eine Schuld anzudichten, und solche hinterher mit einer Erdichtung zu tilgen? Warum blieben sie nicht bei der Wahrheit stehen, die sie doch von vornherein von der Schuld befreit? — Endlich sage ich noch, wessen Hr. vr. I. nicht erwähnt (im Kal. ebend.): ״Die Auferstehung gestaltet sich unter seiner, des sonst zweifelvollen Kritikers, Feder, zu einem historischen Faktum." Und dies tst buchstäblich wahr; denn Abth. I. S. 410 wird mit dürren Worten, ohne irgend welche Clausel, erzählt: ״Dieser Glauden fand insbesondere durch den Umstand Eingang, daß nachdem er etwa 36 Stunden im Grabe gelegen hatte, er sich an verschiedenen Orten seinen Jüngern zeigte, noch 40 Tage unter den Lebendcn weilte ff." Da Herr vr. I. sich nicht zum Christenthum bekennt; so habe ich nicht geglaubt, annehmen zu dürfen, daß er den eben erwähnten christlichen Dogmen unbedingten Glauben beimesse. Sein, gelind gesprochen, zweideutiges Auftreten in seiner jüngsten Schrift erschien mir daher — und wie eben gezeigt worden wohl nicht ohne Grund — als ein Coquettiren mit dem Christenthum, was mich an einem bedeutenden, jüdischen Schriftsteller geschmerzt und mir einen Weheschrei ausgepreßt hat. Sollte ich mich sennoch in meiner Präsumtion geirrt und durch eine gefärbte Brille gesehen haben; so soll es diesmal mich nur freuen. Ich meinerseits gestehe offen, daß mir die Berichtstreue der christlichen Urkunden nicht über allen Zweifel erhaben vorkomme. Hr. vr.Z. scheint eine solche Ansicht als nicht gründlich zu bezeichnen. Mag sein! Ich bin jejedoch sehr erfreut, mich mit dieser Ungründlichkeit in ganz guter Gesellschaft zu befinden, nämlich in der fast aller Koryphäen der Judenhett aller Zetten und selbst einer namhaften Anzahl christlicheb Gelehrten. Es ist übrigens um die moderne Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit der jüdischen Gelehrten unserer Zeit ein eigenes Ding. Jeder von ihnen scheint, wie seinen eigenen Schulchan aruch, auch seine eigene Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit zu haben; und so spricht dieselben immer der Eine den Andern ab. Es wäre aber recht gut, wenn die Herren ein deutliches Kriterium für Gründltchkeit und Wissenschaftlichkeit angeben wollten, damit man wisse,

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