Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Herr Dr. Jost und meine Notiz in Liebermanns Kalender [Rezension]
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 545 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932888-2944903--05776-2944969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von Rabbiner D. Deutsch. 545 eine Berufung auf diese Aeußerung in einer geschichtlichen Frage wegen M's äußerst geringen Gcschichtskunde nicht gelten lassen. Aber was in aller Welt hat die Geschichtskunde mit dieser Bedingung zu thun? Meine Brillen müssen sehr stark gefärbt sein, daß ich dies durchaus nicht einschen kann. Das christliche Dogma von der Göttlichkeit des Stifters ist fortdauernde Thatsache — hierzu bedarf es keiner Geschichtskunde — nnd schon dies Dogma, das sich doch auf den Stifter selbst beruft, macht einem jüdischen Schriftsteller eine solche Bedingung oder doch eine ähnliche zur Pflicht. Allein überdies erzählen die christlichen Urkunden selbst, daß die Juden — bereits vor des Stifters letzter Anwesenheit in Jernsalem — ihn beschuldigt, daß er sich zum Gott mache. Ich habe schon im Kalender auf Joh. 5, 18 und 10, 33 htugewicseu. Die besagten Urkunden fuhren außerdem viele Aeußerungen an, die für seine Sclbstvergötterung sprechen; was aber mehr ist, als alles dies, sie erzählen ausdrücklich, daß man ihn angebeict habe, und wird mit keinem Worte erwähnt, daß er dies gemißbilligt hätte. S. Matth. 8, 2. 14, 33. 15, 25. 20, 20. Joh. 0, 38. Hr.ve.J. sagt aber ausdrücklich, er habe keinen Grund, die Treue der Berichte in Zweifel zu ziehen. Sogar die angeführte Antwort an Kaiphas erscheint, trotz der Unklarheit, keineswegs nnverfänglich, zumal in Verbindung gebracht mit dem, was, wie oben erwähnt worden, die Evangelienschreiber selbst erzählen. Ferner habe ich es nicht seltsam gefunden, daß Hr. vr. I. fremden Quellen mehr Vertrauen schenkt, als rabbinischen, sonder» daß er keinen Grund hat, die christlichen Berichte nur zu bezweifeln, während er die rabbinischen nicht etwa blos bezweifelt, sondern als ganz gewiß erdichtet, zu deutsch, geradezu als absichtliche Lüge, bezeichnet. Ein anderes ist weniger Vertrauen schenken, ein anderes der absichtlichen Lüge beznch- Ligen. Möchte cs doch fast scheinen, als ob Hr. vr. I. selbst jetzt Anstand nehme, sich dieses etwas gar starken Ausdruckes zu bedieneu. Ich habe (im Kal. ebend.) gesagt: ״Er hält es nicht der Mühe werth, derartige Behauptungen streng zu begründen." Meine Brillen müssen sehr stark gefärbt sein; denn ich suche noch immer vergebens nach einer strengen Begründung. Hr. vr. I. sagt zwar, ״er habe die christlichen Quellen im Einzelnen so umständlich be-