Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Herr Dr. Jost und meine Notiz in Liebermanns Kalender [Rezension]
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 544 (sequence 2)
- Language
- German
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544 Herr Dr. Jost und meine Notiz i» Licbermann'S Kalender. und anffaffen, als sie gegeben ist.Ueber eine Berufung auf Mendelssohns naive Aeußerung in einer geschichtlichen Frage können wir, bei aller Verehrung, die wir dem liebenswürdigen Phi-! losophen und Menschen zollen, schon wegen seiner äußerst geringen Geschichtskunde nicht gelten lassen .. . Wem Mendelssohns Meinung genügt, der möge sie aufnehmen und dabei stehen bleiben! Was! talmudische Quellen betrifft, so sind uns keine wetteren bekannt, als! die paar offenbar ungeschichtlichen Angaben aus sehr später Zeit,! und die christlichen Quellen haben wir im Einzelnen so umständlich j beleuchtet, daß wir Einwendungen nur dann beachten dürfen, wenn j sie unsere Darlegung mit gleicher Sorgfalt ins Einzelne eingehend : verfolge». — Alles, was uns von rabbtntscher Seite bisher bemerkt j worden, bewies nur, daß die Beurtheiler es nicht einmal der Mühe j Werth finden, unsere Schilderung genau zu lesen! ״Jedem gründli- : chen Forscher aber sind wir Rede zu stehen bereit."! Daß meine geringe Persönlichkeit Hrn. Dr. I. unbekannt ist, > finde ich ganz in der Ordnung, da ich mich weder eines hohen Rab-! binatssitzcs und Titels zu erfreuen habe, noch durch Reformbcstre- ' bungen re. re. berühmt oder berüchtigt bin; aber weniger in der Ordnilng finde ich, daß er nöthig gefunden, diesen Umstand öffentlich mitzuthcilen. Dem Publikum ist er sicherlich gleichgültig, und für die Sache selbst erscheint er wohl auch nicht von Belang. Was : nun diese Sache betrifft, so ist Hr Dr. I. in seinen Angaben etwas ungenau. Ich habe nicht meiite Verwunderung darüber ausj gedrückt, daß er den Stifter des Christenthums anders darstelle, als j einst Mendelssohn, sondern, daß er jenen Stifter mit überschwäng-! lichen Lobeserhebungen überhäuft, ohne eine Bedingung da-; ran zu knüpfen, während M. die Bedingung gestellt: ״wenn! derselbe sich nicht die Ehre der Anbetung, die dem; eintL en Gott gebührt, angemaßt hätte". Jeder Unbesan-> gene steht, daß es sich eigentlich um diese Bedingung handelt. Was! äußert Hr. Dr. I. hierauf? Zuvörderst, Ms. Aeußerung fei eine! naive. Aber nicht nur M. sondern auch Lavatcr und das ganze! damalige Zeitalter haben diese Aeußerung für keine naive gehalten, sondern für eine sehr ernste und bedeutsame; und dürften! sicherlich auch in der Jetztzeit nur Wenige hierin mit Hrn. Dr. I. i einerlei Meinung sein. Hr. Dr. I. antwortet demnächst: er könne!