Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1860)
- Article
- Einiges aus dem jüdischen Lehrerleben im Herzogthum Nassau
- Date
- 1860-06-01
- Page
- 496 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932887-2944789--05697-2944869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
496 Einige« ans dem )üb. Lehrerlebcn im Herzogthum Nassau. bedarf wohl keiner langen Begründung. Denn abgesehen davon, j daß oft der Unwürdigere den Steg davon tragt, da bei der Herr-; schenden Ignoranz der mit schöner Stimme Begabte (die Functtoj neu des חזן sind meistens mit denen des Lehrers verbunden) vorgezogen wird; gibt diese Anstellnngswetse schon vornherein dem an vielen Orten noch ohnehin ungebildeten Vorsteher den Anschein, als sei er Subordintrter des Lehrers und will er stets sich als Protektor von ihm angesehen wissen. Wehe dem Lehrer, der sich gegen die! Autorität des Vorstehers verfehlt; ein beständiger Haß, der sich auf die kleinlichste Weise zu zeigen sucht, ist die unausbleibliche Folge dieses schweren Verbrechens! Ich könnte so Manches aus eigener, sowie aus fremder Erfahrung zur Bestätigung dieses Vorbringen; j doch will ich keine Persönlichkeiten berühren. י Daß ein solches Gebühren von Seiten des Vorstehers auch - einen für den Lehrer schädlichen Einfluß auf die übrigen Glieder j der Gemeinde nach sich zieht, ist wohl leicht ersichtlich. Wirklich j glaubt sich Jeder berufen, dem Lehrer Verhaltungsbesehle ertheilen zu dürfen. ״Wird er ja doch von uns bezahlt; warum soll er!; nicht thun was wir sagen?" Auf dieses Raisonnement gestützt, er-!! laubt man sich die größten Ungerechtigkeiten, und was nur Rohheit i: und Dummheit, Stolz und Eitelkeit Schlimmes Hervorbringen, — cs ist gegen den Lehrer gerichtet. Doch so wie in der Welt Alles . seine zwei Seiten hat, so liegt auch hier eine gute darin, daß, so j wie es gegen den Lehrer geht, man sich zu kräftigerem Handeln ver- J einigt und dies gemeinschaftliche Vorgehen einen zeitweiligen Frieden 11 über die, sonst durch Privatzwist noch so sehr getrennten Glieder ausbreitet. Will der Lehrer etwas in der Schule, ein nöthiges Buch, eine Landkarte u. s. w. anschaffen, so heißt es gleich: ״Wozu diese ׳ unnöthige Ausgabe?" Ja, gar oft ist es die Frau des Vorstehers, die Sitz und Stimme darüber hat und gegen jede Verbesserung ihr j auf Unwissenheit beruhendes Veto abgiebt. Aber, wird man ein- 1 wenden, der Lehrer ist ja von der Regierung geschützt; warum wen-! det er sich nicht an dieselbe? Ja, lieber Leser, geschützt ist er wohl j insofern, als ihn, wie schon bemerkt, der Vorsteher, zu seinem groß- : ten Verdrusse, nicht willkürlich entlassen darf. Kann dies aber verhindern, daß man dem Lehrer nicht auf andere Weise Schwierig-;