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Jeschurun · 1860-06-01 · Heft 9 (Juni 1860) · p. 495

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 9 (Juni 1860)
Article
Einiges aus dem jüdischen Lehrerleben im Herzogthum Nassau
Date
1860-06-01
Page
495 (sequence 3)
Language
German
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Einiges aus dem!üb. Lehrerlcbc» im Herzogthum Nassau. 495 -! r Zukunft, das man sich schon so schon ausgemalt Hatto, von der prosaischen Wirklichkeit verdunkelt! Wie hemmend traten ihnen, die im Vorgefühle ihres wichtigen Berufes mit allem erforderlichen Eifer und Ernste ihrem Studium oblagen, die bestehenden Mißverhältnisse entgegen und lähmte ihre, durch das Ideal so schon ausgeschmückte Thätigkcit bis auf den Grund! Welch' ein himmelweiter Unterschied, welche Kluft lag zwischen den glänzenden Träumen der Zukunft und dem, was die wirkliche Gegenwart darbot! Nicht als ob der für seinen Beruf schwärmende Jüngling sich goldene Berge, große Reichthümer versprochen hätte! Kennt ja doch der 16—18jährige, besonders in den Häusern der Armuth oder des Mittelstandes heraugewachsene Jüngling noch keineswegs das unmäßige Haschen nach Geld und Gut; kann er noch keineswegs aus eigener Erfahrung den Ausspruch des Kohelet: אוהב כסף לא ישבע כסף bestätigen. Nein, der Wunsch, eine geehrte Stellung einzunehmen, in welcher er mit Segen wirken könne, bas war seine Triebfeder. Und wenn auch nebenbei die Aussicht, sich eine sorgenfreie Existenz zu verschaffen, mit entscheidendem Gewicht in die Waagschale gelegt wurde, wer wollte dies verargen? Sind wir Menschen so über das Irdische erhaben, daß wir bei der Wahl eines Berufes, wie bei anderen Handlungen nur unserer Vokation folgen und stets das allgenicine Wohl im Auge haben? Ich möchte zu behaupten wagen, daß dies, besonders im ersten Falle, nicht in der Natur deS Menschen li gt und, wenn es hie und da doch Vorkommen mag, dies eben nur Ausnahmen sind. I Doch kehren wir zu unserem Thema zurück. Versuchen wir s jetzt, die Ursachen der so plötzlichen Enttäuschung unserer jüdischen j Lehrer durch Schilderung der bestehenden Versältniffe in ihr wahres : Licht zu stellen. j Wie ich schon dargethan, hat seit 1842 keine Gemeinde inchr das Recht, ihren Lehrer nach eigenem Ermessen zu entlassen; allein die eigentliche Anstellung hängt ganz von deren Willkür ab. Ist s eine Stelle erledigt tmb es bieten sich mehrere Bewerber dar, so s kann die Gemeinde, resp. der Vorstand, sie nach Gutdünken verj geben. Welcher ungerechte Mißbrauch dadurch stattfinden kann,

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