Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 357 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ad. de Castro und Amador de los Rio». 357 Leidenschaft; allein die Zunge seiner Wage, sich zu Gunsten des Unterdrückers neigend, giebt dem Unterdrückten falsch Gewicht. Wohl mochte ihm die Hand dabei gezittert haben und er seiner Aufregung nicht Herr geworden sein. Zwischen Schlachtopfer und Henker gestellt, haben ihn mehrere so eingeschüchtert, daß er sie freigesprochen, und um diese Freisprechung zu begründen, hat er, so gut es ging, aber ohne es Wort haben zu wollen, die mildernden Umstände hervorgehoben, und so lautete in diesem ärgerlichen Prozeß für die eigentlichen Verbrecher das Verdikt auf: nichtschuldig. Unverkennbar räumt de los Rios als geschickter Anwalt seinem Gegner Manches ein; von der Augenfälligkeit überwunden, gibt er zu, daß seine Klienten allerlei Menschliches aus dem Gewissen haden, und daß sie nicht geradezu ktnoerunschuldtg seien; dennoch aber, da er's einmal übernommen hat, sie rein zu waschen, fehlt es ihm nicht an scheinbaren Reinigungsmitteln. Er will nicht etwa sagen, daß einem Andern die Taschen leeren, eine lobenswerthe That sei; er behauptet nicht, daß es allezeit fromm oder auch nur nvthig sei, die Leute, die anders denken als wir, zu verbrennen und uns in ihre Hinterlassenschaft zu theilen; behüte', ״es müßte denn eine jener großen Nothwendigkeiten etntreten, die zu Allem ermächtigen, Alles rechtfertigen." (ninguna de aquellas grandes necesidades que todo 10 autorizaai, todo 10 santifican.) An der Hand dieser bequemen Maxime gelangt man auf wohlbekanntem Wege zu der unmoralischen Theorie der zwei Moralitäten. Die Juden wurden das Opfer ihres religiösen Glaubens. — Wahr, sagt de los Rios, und ich bedaure es; aber warum Wechselten sie nicht ihre Religion? Die Taufe war ihr Heil hienieden und daroben. Was man von ihnen verlangte, war in der That etwas so Geringes, und der Dienst, den man ihnen leistete, so unschätzbar; man bekehrte sie für's erste zu einem gesündern Glauben; freilich mußten sie wacker zahlen für den erwiesenen Dienst. Man zog ihre Güter ein; allein das geschah blos, ״um sie von den materiellen Dingen und den Sorgen für das Irdische abzuziehen." Ist daS nicht prächtig! — Aber, wirft man ein, die Juden waren ja Herren ihrer Güter, die sie mit dem Schweiße ihres Angesichts, oft mit ihrem Blute erworben hatten, und von Rechtswegen durfte