Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 7 (April 1860)
- Article
- Die Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber
- Date
- 1860-04-01
- Page
- 356 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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356 Di« Juden in Spanien und ihre jüngsten Geschichtschreiber. Das von de los Ntos angenommene und durchgesührte System ist so wenig neu, daß es die Widerlegung ebenso wenig sein kann; darf man aber, herausgefordcrt, deshalb schweigen? Heute mehr, als je, ist cs dringend nvthwendig, den Sophismen, alten oder neuen Datums, entgegen zu treten. Mit dem Jrrthum, so oft er auf der Klagcbauk erscheint, keine Nachsicht! Ans Rückfall ein neuer Verdammungsspruch! Früher oder später wird die Logik der Wahrheit den Sieg erfechten. Und wenn die Kritik nicht dieses erhabene Ziel im Auge hätte, wozu wäre sie da? De los Rios weiß recht gut, daß die Geschichte, die er erzählt, seinem Lande keine große Ehre macht, und bis zu diesem Grade verblend en ihn seine Nationalvorurtheile nicht, daß er alles in dieser Geschichte in guter Ordnung fände. Allein es wird ihm sehr sauer, alles Vergangene nicht zu loben, nicht unbedingt gut zu heißen. Er ist Verehrer der vollbrachten Thatsachcn, er beugt sich vor dem Erfolg, und gegen Das, was nun einmal so ist, thut er keinen Einspruch. Zu seiner einzigen Entschuldigung läßt sich nur anführen: Sein System hat seine Religion überrumpelt. In den Ereignissen,- die er mit reichem Wissen und Quellenkenntniß darstellt, ist er aus zahllose Ungerechtigkeiten, Gewaltstreiche, Verbrechen gestoßen; auf jedem Schritte begegnen ihm Raub und Mord; aber bei der Milde seiner Principien — Andre nennen's: ״hohe Gleichgültigkeit" — bleibt er überall kalt und ungerührt; höchstens, und auch das selten, wirft er den Schlachtopsern ein abgegriffenes mitleidiges Wort hin, wie cs auch der Herzloseste dem Unglück gönnt. De los Rios hält sich nicht, wie Tacitus, bei Schändlichkeiten auf, um ihnen das Brandmal aufzudrücken; das streitet mit seinen Prinzipien, und seine Prinzipien sind unbeugsam. Spürt er, daß ihn die Rührung beschleichen will, so beschwört er sie mit dem Spruch: den aufstammenden Leidenschaften müssen Mäßigung und Unparteilichkeit der Kritik folgen. Diese Unparteilichkeit wäre recht schön, wenn sie aus dem höheren Rcchtssinnc hervorginge; wenn de loS Rios für die Unfehlbarkeit in seinen Urtheilcn gut sagen könnte. Allein das vermag er so wenig, daß vielmehr sein Erkenntniß nicht einmal das «ineö unbefangenen Richters ist. Freilich geräth er niemals in