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Jeschurun · 1860-03-01 · Heft 6 (März 1860) · p. 334

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 6 (März 1860)
Article
Deutschland : Wien [Nachricht]
Date
1860-03-01
Page
334 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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334 Als unterstützende Mitglieder zählt die Gesellschaft seit langer Zeit nicht nur Christen, sonder» auch viele Juden wurden zum Bettritt aufgcfordcrt und ausgenommen, in einzelnen bekannten Fällen sogar unter Hinweis ans den Umstand, daß die Statuten der Gesellschaft durchaus keine konfessionelle Beschränkung dem Eintritt jüdischer Lehrer entgcgenstclle. Um Ostern v. I. wurde ein jüdischer Lehrer zum aktiven Mitglicde der Gesellschaft vorgeschlagen. Jedoch der Vorstand widersetzte sich dem und verweigerte die Vornahme des Ballotements und beantragte eine Aendcrung des Gesetzes. Es gelang ihm auch in der Deltberationsversammlung vom 5. Olt. eine Majorität von Mttglieder», welche seine Ansicht Heilten zusammen zu bringen, und mit 39 gegen 20 Stimmen ward beschloffen, daß ״künftig nur christliche Schullehrer zu aktiven Mitgliedern aufzunehmen seien!!" Die Gründe, die den Vorstand zum Beantragen dieses Gesetzes bestimmten sprach er in einem Circulare aus und charakterisirt damit das ganze Erclusive seines ״christlichen" Standpunktes. Er sagt Seite 5: ״Wäre die Gesellschaft bloß ein Verein von Schreib-und Rechenlehrern, oder eine reine Wohlthätigkeitsanstalt so würde der Zulassung achtbarer Israeliten nichts im Wege stehen, da aber Jedermann weiß, daß die hiesigen Schullehrer auch Religionslchrcr sind, und da es keinem Pädagogen unbekannt sein kann, daß aller Unterricht und alle Erziehung in christlichen Schulen auch vom chrtstlichen Standpunkte ausgehen und vom Geiste desselben muß durchweht und getragen sein; so liegt es in der Natur der Sache, daß ein rechtschaffener Israelit in diesem Geiste mit seinen christlichen College» nicht zu wirken vermag, eine Ausnahme in ihren Kreis auch selbst nicht wünschen wird, da die Tendenz desselben seinen thenersten Ueberzeugung entgegensteht, und in diesem Kreise Manches zur Sprache kommt was sic mehr oder weniger verletzen muß". ״Es ist freilich wahr," fährt dann der Vorstand S. 6 fort, ״daß die Gesellschaft für ihre Wohlthätigkeitszwecke sich auch der Unter-- stützung einiger israelitischen Mitbürger zu erfreuen habe, aber auch wiederum würde die Gesellschaft sich niemals weigern einen hülfsbedürftigen jüdischen Lehrer nach Kräften zu unterstützen, wenn sie auch denselben nicht als thätiges Mitglied ausnehmen kann." Die Minorität aus den bedeutendsten der hiesigen Schullehrer und bekannten Pädagogen bestehend ließ es bet diesem Beschlüsse nicht bewenden und nachdem der Gegenstand in der Tagespresse reichlich besprochen״ versuchten sie es in der Deliberationöversammlung vom 4- Januar d. I. den Beschluß vom 3. Oktober nmzustoßeu. Die Presse nahm besonders die Schrift des Vorstandes scharf mit und wies das Ungerechtfertigte, Inhumane und Intolerante dieses Beschlusses nach.

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