Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 6 (März 1860)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1860-03-01
- Page
- 335 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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335 Man bot ja den jüdischen Lehrern Almosen anstatt des Rechts, man sah Gespenster indem man befürchtete die jüdischen Lehrer würden Proscliten machen, sie, die jüdischen Lehrer, die in so ungleichmäßigem Verhältnisse zur Lehrerschaft stehen; denn es gibt in Hamburg nur neun fest angestellte und deshalb aufnahmsfähige jüdische Lehrer von denen sich Einer gemeldet hat, wahrend die Gesellschaft hingegen 113 christliche aktive Mitglieder zählt — würden Zank und Hader in die Gesellschaft bringen! Die Minorität forderte in einem Rundschreiben zum zahlreichen Besuch der Versammlung des 4. Januar, um zu Ehren der ״Humanität des freien Staates" den Beschluß zu ändern. Unter 170 Mitglieder die sich in dieser Versammlung etngesundeu, überwog die äußerste Rechte so entschieden, daß der von 25 aktiven und 45 unterstützenden Mitglieder gestellte Antrag der Abänderung vorläufig unberücksichtigt blieb. Der frühere Vorsitzende wurde wieder gewählt und dieser gedenkt, da er die Sache für so wenig wichtig erachtet, die Beschlußfassung darüber bis zu Ostern oder gar bis zum Winter hinauszuschieben. Die Versammlungszeit wurde mit einer Diskussion über persönliche Verletzungen und Satisfaktionen ausgesüllt und selbstverstündlich konnte eine solche Versammlung keinen ruhigen Charakter tragen. Es ist jedoch wenig Hoffnung, daß der Beschluß geändert werde indem der Vorstand um die Vermehrung der liberalen Partei zu verhindern, ohne die Versammlung zu fragen, denjenigen Gesetzparagraphen, ״welcher die Aufnahme der Juden als ״unterstützende" Mitglieder gestattete, suspendirt hat, indem er zwei jüdischen Mitbürgern den Eintritt verweigerte, und sich nicht scheute den bereits von einem Vorstandsmitgliede entgegengcnommenen Beitrag des Dr. R,.... wieder zurück zu senden. So ist auch in unserem freien Staate, noch Manches faul, und wir können einen tüchtigen Zopsabschneider, der hier gute Geschäfte machen würde, brauchen. O. Hamburg, 5. Febr. Eine Anzahl orthodoxer Mitglieder der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde hatte sich in einer Petition an den Senat gewendet, Beschwerde führend, daß der Gemeindevorstand der — obgleich der orthodoxe Thcil der Gemeinde der zahlreichste ist — ganz auf sogenannten aufgeklärtem Standpunkte steht, die Erlaubniß zur Proklamation einer Wtttwe gab, welche bereits zweimal verheirathet, aber vom ersten Manne,— welcher sich gegenwärttg in Amerika aufhält und verlangt, daß seine von ihm übrigens