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Jeschurun · 1860-03-01 · Heft 6 (März 1860) · p. 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 6 (März 1860)
Article
Jüdische Belletristik [Rezension]
Date
1860-03-01
Page
329 (sequence 3)
Language
German
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Der unbekannte Rabbi. 329 den, denn mit zweien richte ich nichts aus." ״Ich thue es nicht", rief ihr der Mann barsch zu, ״oder wißt Ihr was, bringt mir den Gulden Zinsen vom vorigen Jahre, daun will ich Euch drei Gulden leihen! Strntzberger lachte über seinen eigenen Witz. —" Welch herrliche Situation, die wohl einen Maler anzieheu könnte! Ein Talmudgelehrter in niedrigster, schmutzigster Weise als Wucherer dargestellt. Wo ist da ein Schimmer von Wahrheit? Ich will nicht behaupten, daß jeder Talmudgelehrter als Meister der Tugend, Menschlichkeit und Sittenreinhett geschildert werden müßte; es wird Niemand leugnen, daß die Lehre nuferer Weise!: nicht immer ihre läuternde und reinigende Kraft den Leidenschaften und Begierden gegenüber geübt hat, daß es Regionen der Herzen gibt, die sich ■ vor ihren erhellenden Strahlen verschließen. Kann aber ein Talmubgelchrter, der bereitwillig seine Spenden für Jerusalem gibt (S. 47) der gastlich seine Thore dem Armen öffnet, so hart und grausam gegen eine arme Bettlerin verfahren? In dieser Form wird Niemand den! Verfasser Beifall zollen; und höchst ungeschickt war es die Farben so grell aufzutragen, seine Absicht, den Talmudgelehrten um jeden Preis zu schmähen, so klar und deutlich darzulegen. So ungeschickt er hier, so fade und nüchtern ist er auf den folgenden Seiten in seinen Spötteleien über Erlaubtes und ünerlaubtes, über Herztnspeetiou und Lungeuprobe, (S. 46) über den Augur der hier aus den Eingeweide!! des Thieres nicht wie bei den Römern die Schicksale einer Staatsoperation oder eines Krieges, sondern die Küchen- und Bratenverzeichntssc einer ganzen Gemeinde zu bestimmen und der zu beschließen habe, ob das Fleisch des edlen Thieres in christlichen oder jüdischen Magen verwandelt, in gerrnanisches oder oricntalisäws Blut sich assimilireu soll. Oder wenn er spöttisch erzählt (S. 52) wie Strntzberger außer sich gewesen, daß der Knabe am Sabbath und Festtag einen Baum erklettert, Buchnüffe gepflückt und gar zuletzt ein Christenlied gesungen habe. Das sind billig erkaufte Scherze, die den Leser nur allzu sehr vcrrathen, mit welchen Augen Institutionen des Judenthums tit gewissen Kreisen angesehen werden, Institutionen, die heute um so mehr vor Spott und Satyre geschont werden mußten, je mehr sie beginnen an Werth und Heiligkeit zu verlieren. Hier suchen wir vergebens eine ethisch moralische Grundlage, wenden wir uns zu

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