Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 6 (März 1860)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1860-03-01
- Page
- 330 (sequence 4)
- Language
- German
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330 Jüdische Belletristik. einem andern Theile, indem wir die weitläufig langathmigen Erzählungen des Bachnr Jvssel über Paul Gerhard, den alten Dessauer, den siebenjährigen Krieg, die htneingeschneiet kommen, wir wissen nicht wie und nicht woher, rnhtg und getrost überschlagen. Unser Knabe tritt uns als Franz Neuendorf entgegen (S. 119) er ist Erzieher in einem gräflichen Hause, die Keime der Jugend waren herrlich in ihm aufgegangen, er hat sich zu der Hohe erhoben, die ihn über jede Confessian stellt, Gott, heilige Schrift — es sind längst verklungene Laute, die wie des Hirten Schalmeien, der Schweizer Hccrdenreigen zu ihn! hcrnbcrtonen. Mann kennt seine Abstamnlung nicht, Niemand weiß, daß er Jude, bis ein unerwartetes Ereigniß ihn nöthigt dle Maske abzuwerfen. Er hat ein Mädchen kennen gelernt, das ihn fesselt, eines Predigers Dochter; er ist geneigt mit ihr die Ehe ctnzngehen, die Verschiedenheit der Religion ist ja kein Hinderniß, er sicht darüber hinweg, nicht aber der Prediger, der entsetzt bet der Nachricht zurückschrcckt, daß ein Jude sich in seine Familie eingeschlichen und seiner Tochter trügerische Hoffnungen gemacht. Wo liegt da die Moral? Wo überhaupt nur ein moralischer Grund in seiner ganzen Stellung zum gräflichen Hause, zu Elise re. 1c.? Wozu soll das Vorführen und Ausmalen dieser und ähnlicher Verhältnisse und Lagen, die, dem Herrn sei Dank, bis jetzt noch ziemlich unbekannt sind? Was sollen unseren Jünglingen und Jungfrauen Reden und Worte über jene Hcrzenskämpfe; und die Aussichten auf die Zeiten, wenn eine größere Freiheit des Geistes und des Staates die Fesseln losen wird, die ein Stamm dem Aro! des andern angeschmiedet hat, um die Herzen zu trennen. Der Verfasser gefällt sich aber in diesen Betrachtungen und am Ende des Lebenslaufes unseres Rabbi, als die Zweifel, die ihn hin und hergeworfen haben, gelöst sein sollen, erscheint (Sette 433) ein ähnlicher Zwiespalt, der in einer Civilehe seine Ausgleichung findet. Die Zweifel sollen gelöst, Friede soll eingekehrt sein, der unbekannte Rabbi hat wieder lieb gewonnen die Formen, die das Leben vereinfachen und regeln und die Summe seiner Erfahrungen läuft in dem höchst wunderlichen Satz aus, der uns sür alles Zerstörende und Anflösende einen Ersatz bieten soll: Für mein Volk halte ich cs für'ö Beste und einzig Ersprießliche, feines geschichtlichen Berufes, Träger der Einheit des ihm grossen-