Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 280 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Zur Würdigung der Ansprüche deneuen Matertalidmudkeinen Beweis in ihrer Wissenschaft finden, ist ja ganz in der Ordnung; diese Wissenschaft kann ja nur zerstören, nur Zweifel lehren, nie etwas beweisen. Verdient eine Wissenschaft ohne feste Basis, eine Wissenschaft ohne Fortschritt diesen Namen? Und ist Fortschritt möglich da wo der Boden nnter den Füßen weicht? Ist es aber unsere oder die des gesunden Verstandes Schuld, daß diese großen Männer, aus Arroganz und Pedanterie, die Mangel- Hastigkeit ihrer Logik nicht eingesehen haben? In der Logit nämlich finden wir kategorische Sätze und Induktionen; die auf kategorischen Prämissen gebauten Urtheile sind unbezweifelte, die aus Induktionen hingegen unsicher. — Nun gehört in der Logik der Satz: ״jeder Schnee ist weiß" zu den kategorischen, hingegen: ״jedes Haus ist durch einen Meister, jede Maschine durch einen Künstler erbaut" zu den Induktionen, welche Klassifizirung aber grundfalsch ist und auf einem Zrrthnm beruht. Die Ursache dieses Jrrthums ist, daß man vernachlässigt hat in der Logik die Realität zu bestimmen und ihr einziges Kennzeichen in der Beständigkeit (OoustsE») fest zu setzen. Der gesunde Verstand nimmt die beiden oben angeführten Sätze für ganz gleich kategorische und unbezweifelte an, und hat auch darin vollkommen Recht. Nur die Dialektik gibt dem ersten Satze, weil er aus Sinnlichkeit zu fußen scheint, den Vorzug der Realität, aber ganz mit Unrecht: denn die Sinne bilden unmöglich einen Satz oder einen Schluß, ja sie bilden nicht einmal einen Begriff; mit den Angen sehen wir zwar daß Schnee weiß ist, den Schluß jedoch: dieser Schnee ist weiß, bildet der Geist, nicht das Auge. Der allgemeine Schluß aber: ״jeder" — nicht nur dieser, den ich vor Augen habe — hat mit den Sinnen nichts gemeinschaftliches und müßte auch, so wie der zweite oben angeführte Satz nur Induktion sein. Denn wenn ich auch hundert Mal weißen Schnee gesehen habe, so kann ich doch nur xer luäuotivnem auf das Weiß sein ״jedes Schnees" schließen. Aus diese Art müßten wir nie im Stande sein kategorische Schlüsse zu bilden, und doch gehört dieser Satz unbestritten, zu den kategorischen; also nicht weil er auf Sinnlichem basirt, sondern weil er sich der Beständigkeit (consiautia) also des wahren Kennzeichens der Wirklichkeit erfreut. Aber auch der zweite Satz ״jedes Haus hat einen Meister, jede