Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 275 (sequence 6)
- Language
- German
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von Dr. Jüsua Sternschuß. 275 sie ihre Existenz und ihre Benennung Lüge strafen. Man wird uns vielleicht einwenden, das seien niedere, sinnliche Wirklichkeiten; allein Eisen, Kupfer, Gold, hat ein Skeptiker je diese — aus Zweifelsucht — zu unterscheiden nicht gewagt? — Diese Unterscheidung ist aber keine der nieder« Art; sie ist nicht einmal sehr sinnlich, denn beim besten Gesichte kann der Verrückte Kupfer von Gold nicht unterscheiden. Oder ist es dem Skeptiker erlaubt an der Wirklichkeit des Pythagoräischen Satzes, an der Wirklichkeit der astronomischen, transcendentalen Berechnungen zu zweifeln? ... Es giebt also auch transcendentale Wirklichkeiten, die so wenig wie die sinnlichen in Zweifel gezogen werden dürfen! Diese verschiedenartigen Wirkltchketten, vereinigt in einem Punkte, nämlich in der Wirklichkeit (Realitas), müssen nothwendig ein gemeinschaftliches, einziges und unausbleibliches Kennzeichen haben, welches allein die Realität unbezweifelt bedingt und beweist. Um dieses so äußerst wichtige Kennzeichen Herausznsinden, lasset uns das ganze Gebiet der menschlichen Erkenntniß genau betrachten; wir überzeugen uns daun, daß wir das Wesen keines Dinges in der Welt zu erkennen im Stande sind, daß unser ganzes Erkennen nur in der Erkenntniß der beständigen Eigenschaften (qnalitates constantea lerum) der Dinge besteht. So kennen wir von den Mineralien, von deren Dasein wir sinnlich überzeugt sind, nur ihre beständigen Eigenschaften; so ist in der Mineralogie der Bruch, die Krystalisatton, die Schwere, die Löslichkeit, die Schmelzbarkeit, die Dehnbarkeit u. s. w. nie aber das Wesen der Mineralien angegeben, und doch zweifelt keiner, selbst der Skeptiker nicht, daß Eisen da ist und das Eisen Eisen ist. Die Beständigkeit (Constantia) also ist das einzige Kennzeichen der Wirklichkeit (Realitas). Die transcendentalen Funktionen der Mathematik erfreuen sich der Beständigkeit so gut wie die Süße des Zuckers, die Kälte des Eises, die Weiße des Schnees, die Wärme des Feuers, wie das Bewußtsein und die Selbstständigkeit des Geistes, sie sind also alle ganz gleich unbezweifelte Realitäten. Man denke aber nicht, weil der Mensch nicht das Wesen der Dinge kennt ist er in seiner Erkenntniß nicht im Besitze der wirk-