Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 273 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932883-2944410--05382-2944485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Dr. Zvsua Stern schuß. 273 Wurf: im Bewußtsein und Erkenntniß weit unter dem Thiere zu stehen. Jesaias 1,5. Der Ochs kennt seinen Herrn, der Esel seines Herrn Krippe, ״Israel kennt mich nicht, mein Volk hat diese Einsicht nicht." Jerin. 8,7. ״Auch der Storch unter'm Himmel kennt seine festen Zeiten, und Turteltaube, Schwalbe und Kranich wahren die Zeit ihres Kommens, aber mein Volk kennt nicht das Recht des Ewigen." Das alte Testament also, weit entfernt die Thiere als Maschinen, als bewußtlose Maschinen zu betrachten, erkennt ihncn, nach ihrer Art, Erkenntniß, Bewußtsein und Fortdauer der Seele zu. Man denke aber nicht, wir tragen alles zu populär-philosophisch vor, die transscendentale, spekulative Philosophie hingegen habe triftigere Gründe dafür oder dagegen. Mit Nichten! denn die spekularive Philosophie hat noch nie Etwas auf eine, Kopf und Herz befriedigende Weise bewiesen; wäre nicht die Scheu, welche sie glücklicher-, oder vielmehr, für die Welt und die Menschheit unglücklicher Weise etuzuflösen verstehet, sie würde nie angefangen haben destehen zu können. Es gibt ja nichts Lächerliches, nichts Dummes, was nicht einmal von einem spekulativen Philosophen behauptet und bewiesen worden wäre! Und noch immer denkt das gutmüthige Volk, es muß unter einer solchen Behauptung etwas Scharfsinniges, Tiesausgedachtes versteckt sein. Unseres Erachtens ist die Scheu vor den sogenannten Philosophen und spekulativen Geistern immer die einzige Quelle des Götzendienstes gewesen und ist es noch. Ist der Pantheismus nicht wahrer Götzendienst? lehrt er nicht Menschenkoth und Kuhmist anbetungswürdig zu finden? Und ist nicht der Pyrrhonismus die zweite Ungeheuerlichkeit, man mag diesen Ideen welchen Sinn man will unterlegen. Oder sollen wir wirklich verstandeszemaß zweifeln ob wir sehen, ob wir begreifen, oder gar ob wir leben? — Spüren wir dem Grunde dieses Wirrwarrs nach, so sinden wir ihn einerseits in der Ueberschätzung der Beredsamkeit und des Genies von Setten des Volkes, anderseits in der hierdurch erzeugten Arroganz und Pedanterie, die sich über alle Rechenschaft erhaden wähnt und sowohl in ihren Handlungen als Lehren und Systemen sich ungenirt, weil ungestraft, die gröbsten Widersprüche zu Schulden kommen läßt. Giebt es wohl einen großer« Widerspruch, als im eignen Le-