Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 267 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932883-2944409--05375-2944479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Rabbiner I. Liwcnstein. 26? zur Gotteslehre, zu dem mit dem Geiste vereinbarlichen und vereinbarten Buchstaben. Auch wir ״suchen das Vollkommene erst in der Zukunft;" aber nicht das Vollkommene des Reltgionsgesetzes; dieses ist als vollkommen aus der Hand des Vollkommensten in der nralten Vergangenheit uns geworden; wir suchendes daher ausschließlich auf der Bahn der Vergangenheit, die uns sicher zur Zukunft, zu unsrer und des Menschengeschlechts Vervollkommnung führt; wir feilschen nicht; wir tadeln nicht; wir befragen nicht den Geschmack eines jeweiligen Zeitgeistes; die Wirkung unsrer alten Thora ist begründet, bie Vervollkommnung der Menschheit in der Zukunft verbürgt. Unsere Bürgschaft ist Gotteswor!. Sagen Sie doch, Herr Stadtrabbiner, in Ihrem chemischen Laboratorium, der Glaube trete erst ״recht eigentlich in die Erschetnungswelt durch die edle heiligende Menscheuthat"; schaue» Sie Sich doch aber in unsrer gegenwärtigen Erscheiunugsweilt um und vergleichen Sie dieselbe mit der vormaligen. Prüfen Sie unparteitsch, wann mehr edle, heiligeiche Menschenthaten geübt wurden, jetzt oocr vormals. Fragen Sie sich, wer mehr Begeisterung und Opferfähigkeit für den Glauben besaß, unsere Altvordern bei ihrer treuen Gesetzcsanhänglichkeit, oder ihre Enkel bei ihrer sogenannten Aufklärung. Jene gaben ihr Alles hin; keine Entsagung war ihnen zu schwer zur Wahrung des Glaubens, uach seinem religiösen, wie nach seinem sittlichen Zuhalte, nach seinem theoretischen, wie nach seinem praktischen Theile; sie gehörten immer und immer ihrem Gotte au und fühlten hierin schon hinieden eine» Vorgeschmack der künftigen Glückseligkeit. Bei diesen aber ist es ein kalter Kalkül; es fehlt ihnen die Glaubensinnigkeit, die Kraft der Entsagung aus Liebe zur Religion, die Opferwilligkeit; sie wollen sich nur in gewissen Stunden gewisser Tage auch mit ihrem noch nicht ganz ertödteten Gewissen abfinden und können selbstverständlich auch das Wohlbehagen eines mit Religion durch und durch immer und immer getränkten Gemüthes nicht genießen. Sie bauen zwar Gotteshäuser um viele Tausende; ihre Aesthetik verwendet zwar hohe Summen auf die Verschönerung ihres Kultus; was ist aber Geld in uusern Tagen im Vergleiche zu jenen, in welchen unsere Väter lebten? Wenn diese Hunderte für ihren Kultus aufwendcten, so überragen solche Summen Tausende der Jetztzeit. Sind denn die