Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 261 (sequence 7)
- Language
- German
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von Rabbiner I. Löwenstetn. 261 Ohne mich dazu zu entschließen, auf die Schulbank mich zu setzen und meine Lektion über deutsche Syntax von Ihnen abhören zu lassen, appellire ich nur au ihre eigene Logik, an Ihre muthvolle? Offenheit und Freimüthigkeit. Durch die größere Veröffentlichung Ihrer Predigt haben Sie den Fehdehandschuh hingeworfen; ich habe ihn ausgenommen und stelle mich abwehrend an die Grenzlinie eines neutralen Gebietes. Ihre Kriegserklärung muß doch aber jedenfalls eine unzweideutige sein. Nun frage ich Sie, aber in feierlichem, ernstestem Ernste: was verstehen Sie unter dem von Ihnen oft gebrauchten und zum Gegenstände des ersten Thetls ihrer Predigt erhobenen Worte ״Glaube"? Ich stelle dabei folgendes Dilemma auf: Sie verstehen darunter entweder den Glauben an das Dasein eines Gottes; und dann ist er kein spccifisch jüdischer; oder Sie begreifen darunter die Göttlichkeit der Thora; und dann widersprechen Sie sich selbst. — Ihre symbolische Deutung der Bundeslade und der Lampe (S. 7) wäre allerliebst, wenn diese heiligen Geräthe von einem und demselben Raume begränzt gewesen wären. Die Bundeslade stand aber im Allerheiligsten, wohin kein Sterblicher, außerdem Hohen- Priester am Versöhnnngstage nach gleichsam verklärender Vorberettung, treten durfte, indeß die Lampe im Heiligthum stand, wohin Jedem der Zutritt gestattet war. Müßte nun hieraus nicht gerade eine der Predigt diametral entgegengesetzte symbolische Dentung jener zwei Geräthe hervorgehen? Aus der Thora darf ketn er ihrer Bausteine ausgerissen und blos als Stein der Erinnerung in einen Neubau hinübergezogeu werden. ״Der Glaube" — aber der volle Glaube — bedarf nicht erst des menschlichen ״Lichtes der Erkenntniß und der Ueberzeugung um ihn hell und klar zu machen"; er ist der Ausfluß des Urltchtes, des rollkommensten Geistes, dem es nach israelitischer Auffassung noch nicht gefallen und welcher noch kein Bedürsniß dazu gefühlt hat, seine ״heiligen Bausteine an «Ae Straßenecken werfen zu lassen" und nur einige, ähnlich der Flasche mit Man, ״zur Aufbewahrung für spätere Geschlechter" zu retten. Der Glaube, der wahrhafte Glaube, braucht nur denen gegenüber ״in seiner Reinheit bewahrt" und verwahrt zu werden, welche auch Unreinheit darin zu finden wähnen, ihn mit Makel und Tadel begeifern; nicht aber denen gegenüber, welche mit dem Psal-