Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1860)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-02-01
- Page
- 259 (sequence 5)
- Language
- German
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von Rabbiner I. LNwenstktn. 239 noch einen archäologischen Werth beilegen, sie nur als Mittel der ״Erinnerung" betrachten darf, um damit den Neubau zu verzieren? Auch der Hohepriester des alten Heiligthums hatte ״Steine der! Erinnerung" (2. B. M. 28, 12). Es waren aber darauf die Namen der Kinder Israels eingegrabeu, die er aus seinen beiden Schultern vor Gott zu tragen hatte. Cr sollte sich stets erinnern, daß seine Wirksamkeit zunächst und ausschließlich für Israel sein soll. (Was von den Propheten von einer einstigen Weltreltgton verkündet wurde, ist, wie schon der Wortlaut zeigt, Sache der göttlichen Vorsehung. Soll Israel ״Hüter der Weinberge" sein, so hat es nur seinen Weinberg zu hüten, und die Geschichte lehrt, daß dadurch z und nur dadurch nach dem Rathschlusse Gottes auch andere Weinberge einer, wenn auch jetzt noch nicht vollständigen Huth fich zu erfreuen haben.) So erhaben auch der Beruf Israels nach Gottes eigenem Ausspruche ist, ein ״Priesterreich, ein heiliges, ein Gott eigenthümliches Volk" zu sein; ״weil mir", wie Gott hinzufügt, ״die ganze Erde gehört" und ich durch Euch alle meine Menschenkinder beglücken möchte (2. B. M. 19, 5 und 6): so durfte dennoch der Hohepriester die von Gott selbst zu diesem Zwecke angegebenen Mittel, ״seiner Stimme zu gehorchen und seinen Bund zu bewahreu", nicht außer Acht lassen. Für Israel mußte erlehren, leben und wirken. Vor Gott, dem allweisen Gesetzgeber, dem Vater der Menschheit, mußte er sein Israel vertreten. Auf seinen beiden Schultern mußte er sein Israel tragen; mußte ״seine Schultern neigen", um Erkenntuiß und Thatkrast (עול חורה ועול מצות) zu üben und zu fördern. So der Hohepriester des ״alten Baues". Nicht so aber Viele unsrer jetzigen Volkslehrer, Seelsorger und Geistlichen «. s. w.; sie geriren sich in ihrem ״Neubail" ebenfalls, als wären sie die Hohen- Priester der Neuzeit; sie wähnen sogar, ״binden und lösen" zu können; sie treten nicht mit ihrem Israel vor Gott hin, daß sie sagen könnten: ״hier ist deine Herde; wir haben sie nach Deinem Willen geweidet". In ihrer kosmopolitischen Anschauung verschmähen sie sogar kein Mittel, um jedes Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Glauben Israels und dem anderer Völker zu verwischen; sie liebäugeln mit ihrer nichttsraelittschen Umgebung und schmiegen sich derselben arr auch in Dillgen, für welche der Allvater eine Scheidewand ge- 17