Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1860)
- Article
- Die in der Nähe des Ludwigsbahnhofes in Mainz aufgefundenen jüdischen Grabsteine
- Date
- 1860-01-01
- Page
- 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Die in der Nähe des Ludwighahnhofes in Mainz aufgefundendn jüd. Grabsteine. Meschullam, den man später allgemein ״den Großen" nannte. Vater und Sohn waren als synagogale Dichter berühmt und einige dieser Gedichte bilden noch heute einen tntegrtrenden Theil der jüdischen Liturgie. Von den bedeutendsten rabbinischen Autoritäten des 11. und 12. Jahrhunderts werden Beide mit der größten Ehrfurcht citirt und es wird berichtet, daß ihre Aussprüche denen der Propheten fast gleich geachtet wurden. — lieber Geburts- und Sterbejahr des Rabbenn Meschullam läßt sich nichts ermitteln, wohl aber über die Zeit seiner Blüthe. Er wird nämlich in einem im Jahre 1037 von Rabbenu Nathan ans Rom verfaßten Lericon zum Talmud als ein bereits Verstorbener citirt »nd wenn man bedenkt, wie langsam sich damals literarische Erzeugnisse verbreiteten, so wird mau zugeben, daß seine Blüthezcit an das Ende des vorigen Jahrtausends und sein Tod in den Anfang des jetzigen zu setzen ist. Die Inschriften aus dem 11. und 12. Jahrhundert sind alle höchst einfach. Sie beschränken sich auf Angabe von Namen und Vatersnamen, Datum und Segenswunsch für den Verstorbenen. Die Art und Weise der Datumangabe ist ebenfalls bemerkenswerth; während die ältesten gar kein Datum tragen, geben die jüngeren nur das Jahr, die noch jüngeren auch den Monat, die noch jüngeren auch den Tag, die noch jüngeren sogar den Wochentag des Sterbens und Begrabenwerdens an. Die Namen sind theils biblische, theils griechische, wie sie zur Zeit des zweiten Tempels unter den Juden gebräuchlich wurden; doch finden fich auch deutsche Namen, namentlich ans Frauengrabmälern; wir heben von diesen hervor: Gertrud, Olga, Bruna, Jutta, Merlin, Maitin, Hannchen 2c., Famtliennahmen finden sich sehr wenige und diese sind von adjectivis acceptirt; so gehören viele dieser Steine Mitgliedern der berühmten Familie ha Bachur (der Jüngling) an; daß diese Bezeichnung hier nicht adjcctivisch gebraucht fein kann, geht daraus hervor, daß sie sich einmal bei Vater und Sohn findet: ״Hier ruht Rabbi Jakob ha Bachur, Sohn von Rabbi Moscheh ha Bachur." Da nun in der nachbtblischen Literatur ״ha Bachur" immer einen Junggesellen bezeichnet, so ist natürlich die appellativc Bedeutung hier unmöglich. Hieraus veriwühc ich, daß die häufig wiederkehrende Bezeichnung ״ha Saken",