Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1860)
- Article
- Worte bei der Schulfeier der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.
- Date
- 1860-01-01
- Page
- 200 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932882-2944320--05283-2944370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 Wort«, gesprochen bei der Schtllerftier Sage uns Einer noch: aus alle dem, was ihr als Zuschuß zu deu gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen lehrt, karnt man kein Brod machen, kann man die materielle Wohlfahrt der Jugend nicht mehren! Wir zeigen ihm den Schiller-Tag, zeigen ihm, wie Millionen mit uns sich erhoben, um das Gedächtuiß eines Mannes zu feiern, der für die materiellen Zwecke der Menschenbestrebungen Nichts geleistet, dem die Welt Nichts für die Bereicherung ihrer materiellen Besitztümer verdankt, der vielmehr seine Nation für die ideelleir Güter der Menschheit zu begeistern verstanden und sie die Ideale der Menschenbrust als die wirklichsten, ewigen, unveräußerlichen und beglückendsten Besitzthümer des Menschen lieben und schätzen gelehrt. Und so fällt von dem Jubelglanze der Schillerfeier auch auf die jüdische Schule ein bescheidener Strahl, in welchem sie ihr stilles, bescheidenes Wirken für die heiligsten Güter der Menschheit mit frohstem Bewußtsein fortsetzen mag. Und darum vor Allem, meine jungen Freunde und Freundinnen, haben wir auch euch um uns versammelt und möchten so gerne auch euch die große Bedeutung des Tages, den ihr erlebt, in die Seele Prägen, möchten so gerne euch einmal den Gedanken denken lehren: Es muß doch etwas Großes sein, ei» solcher Mensch geworden zu sein, daß noch nach hundert Jahren die ganze Welt anfsteht und sich freut, daß ihnen vor hundert Jahren ein solcher Mensch geboren worden, und es muH doch etwas Großes, Herrliches und Beglückendes sein, wodurch dieser Mensch sich den Dank und das Ehren gedächtuiß einer ganzen Welt errungen! — Womit hat nun der Mann, dem heute und morgen die Feier einer ganze!« Zeitgenoffenschaft gilt, diesen Dank der ׳Welt verdient? Hat .er die Menschen reicher gemacht? Hat er sie gelehrt, großartigere Geschäfte zu begründen? Ist er der Erfinder der Dampfkraft, der Telegraphie? Gehört er zu den Welt umschiffenden.Entdeckern? War er überhaupt ein Mann, der das Gebiet unserer materiellen Bestrebungen erweitert und den Retchthnm an Gütern und Genüssen zu mehren verstanden? Ach, Schiller hat.es für sich selbst wenig verstanden, Güter zu erwerben; -er war ein Poet, und hat es selber gesungen, daß -die Menschen des ideellen Strebend oft im Leben in dem Antheil an irdischen Gütern den Küvzcrn ziehen! Allein, so