Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1860)
- Article
- Worte bei der Schulfeier der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.
- Date
- 1860-01-01
- Page
- 199 (sequence 12)
- Language
- German
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in bet Untert.-Anstalt bet Ist. Rel.-Ges. in Ftanlf. a. M. 199 Nicht nach der materiellen Seite der Lebensbeziehungen fallen nämlich die Momente, die eine Schule zu einer jüdischen Schule, die somit auch unsere Anstalt zu einer jüdischen machen. Was eine Schule für die materiellen Bestrebungen des einstigen Lcbensberufes zu leisten hat, davon wird in unserer Schule nicht mehr als in anderen gelehrt, darin steht die jüdische Schule mit allen anderen Nnterrichtsanstalten auf ganz gleichem Boden. Was eine jüdische Schule zur jüdischen macht, das sind eben die ideellen Seiten und Beziehungen des Lebens, das sind diejenigen Wahrheiten, in welchen, wenn Schiller sie begriffen hätte, er die Sühne seines Jrrthums in seiner Sendung Mosis und das Ideal verwirklicht gefunden hätte, das er in seinen Göttern Griechenlands so schmerzlich vermißt. Hätte er das Jndenthum nicht nur durch den Schleier seiner Geburt gekannt, wäre Schiller Jude gewesen, er würde es nicht beklagt haden, daß die schöne Gricchenzeit geschwunden und das Alltägliche schaal und reizlos, poesielos geworden; er würde mit seinem Geiste eben in dem jüdischen Leben, in dem ganz gewöhnlichen jüdischen Leben die Poesie des Daseins, das Ideal der Wirklichkeit, das göttlich Schöne in s jedem Athemzuge gefunden haben, und er würde dreimal seliger und dreimal glücklicher ans Erden gewandelt sein. Für dieses Ideal des Lebens, für diese Vergöttlichung des ganz gewöhnlichen Daseins, für welches das Judenthum den Juden und die Jüdin erzieht, für diese Jdealisirung des ganzen diesseitigen Lebcns und Strebens, dafür will nun die jüdische Schule wirksam sein, und oft mögen Lenker und Letter einer jüdischen Unterrichtsanstalt darin eine Schwierigkeit, eine Klippe ihres Strebens finden, daß sie für Güter wirksam sein, für Zwecke streben müssen uni* die Gemüther und Geister der Jugend für Ziele zu wecken und zu begeistern berufen sind, die der materielle Geist eines materiellen Jahr- Hunderts ideell und — ״unpraktisch" nennt. Nun erlebt sie einen Tag, an welchem für den Sänger der Ideale, für den ideellsten Dichter, für den, der das Menschenleben und die Bedeutnng des Menschendaseins in seiner ideellsten Größe besungen hat, eine Welt aufsteht und jubelnd ihre Huldtgungskränze flicht, unb dcß sollte sie nicht eben als jüdische Schule und im ganz eigensten Interesse ihres eigenen Strebens froh werden?!