Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1860-01-01 · Heft 4 (Januar 1860) · p. 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 4 (Januar 1860)
Article
Worte bei der Schulfeier der Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.
Date
1860-01-01
Page
198 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932877-2932882-2944320--05281-2944368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

198 Worte, gesprochen bei der Schiller stier nichts Materielles geschaffen, der, selbst an materiellen Gütern arm, wenig verstanden, die materielle Wohlfahrt der Menschen zu mehren. Aber sie erheben sich jubelnd froh in dem Bewußtsein der geistigen Güter, die er ihnen htnterlassen, der erleuchtenden und sittlich veredelnden Gesänge, die er unter ihnen gesungen und deren Klänge noch heute ihre, für alles Wahre und Gute begeisternde Kraft an ihnen üben. Daß hier dem Geiste und zwar dem sittlich veredelnden Schiller'schen Geiste diese allgemeine Huldigung dargebracht wird, das, meine Freunde, das würden unsere Weisen als eine Dämmerung jenes Morgenroths begrüßt haben, wo die Menschen einst alle aufstehen werden und die Binde vollends von ihren Augen fallen wird und die Gemüther und die Geister wach werden und man endlich auf weitem Erdenrunde begreifen wird, daß die Menschen nur Menschen zu sein brauchen, um sich auch gut und glücklich auf Erden unter ihrem einige» Vater im Himmel zu finden. Dem Gedächtnisse des Mannes aber, der es verstanden, die Gemüther für diese Huldigung des sittlichen Geistes zu entflammen, ihm würden sie mit aufrichtigster Freude den Huldigungsgrüß bieten: -— ברוך שנח! מחכמתו לבשר ודט Aber es hat das jüdische Volk noch ein besonderes Recht, solche Geister zu preisen. Geister wie Schiller sind es, denen wir es verdanken, daß allmälig auch der Jude Mensch sein darf unter den Menschen, daß allmälig auch dem Juden das Recht und die Würde des Bürgers nicht vorenthalten bleibt. Wenn heute die engen Schranken der Ghettis gefallen sind, und die Menschen auch im Juden den Menschenbruder begrüßen, so ist diese Erleuchtung der Menschen, dieses Humanitäts- und Rechtsgefühl, unter deren Banner der Jude sich heilte ebenbürtiger Freiheit erfreut, ein Fortschritt, für welchen zunächst Geister wie Schiller gewirkt. Endlich aber haben wir geglaubt, daß, wenn überall die Schule, insbesondere eine jüdische Schule sich eines solchen Erlebniffes, wie einer so allgemeinen Schiller-Feier, vor allen Anderen zu freuen habe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.