Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mariamnc, die letzte Hamonäerin. 159 gen hochgervthet. Das Auge rollend, stechend-die Schilderung schließt mit der Frage: ״welch' ein Denker, welch' eine Selbstüberwindung, welche Gewalt der Hingebung, aber auch diese Leidenschaft, diese unerbittliche Strenge, keine Schonung, keine Nachsicht . .. keine Liebe? ... Schammai ist der Lehrer der Königin Mariamnc und gelangt aus gehcimnißvollen Gängen durch verdeckte Thüren, die überhaupt eine sehr bedeutende Nolle in dieser historischen Novelle spielen, in das Gemach seiner königlichen Schülerin, um hier im eigenen Palaste des Herodcs, der ihn geächtet, die Frau zum Hasse gegen ihrcn Gemahl aufzustacheln. Jsaac den Babusch, ein Lcvitc, der in Mariamnc verliebt ist, ist der Mithelfer in diesen romantischen Begebcnheiten. Diese aber entbehren eines jeden, selbst des geringsten historischen Anhaltpnnktcs. Die Motivirung ist äußerst seicht und ungenügend; namentlich die ganze Nolle, die hier dem Schammai zucrthcilt wird, die in der That wenig einen Charakter kennzeichnet, wie Schammai in der Wirklichkeit war und wie ihn auch der Verfasser schildern will. Wenn man nun auch die ziemlich barocke Skizzirung der Personlichkeit des großen Weisen mit dem Umstande entschuldigen will, daß ein Novcllenschreibcr nun einmal nach Sitte und Herkommen seine Helden bis in's kleinste Detail zeichnen muß und demnach hier die Kunst des Zeichners den Mangel eines jeden Anhalts zu ersetzen hat: so darf sich doch kein Schriftsteller so weit vergessen, in seiner Erzählung Schilderungen, Namen, Thatsachen mitzutheilen, die dem Charakter der Zeit geradezu widersprechen. Wir wollen nur Einiges beispielsweise hier anführen. — Der Verfasser stellt den Schammai als Jngcndlehrer der Mariamnc vor. Wo fände sich auch nur die leiseste Andeutung, daß damals irgend einer unserer Weisen Lehrer der Prinzessinnen gewesen ist? Wer auch nur einigermaßen mit dem.damaligen Zeitalter und mit der Stellung und Wirksamkeit unserer Weisen vertraut ist, der wird cinsehe», daß mit dieser einfachen und für sich gleichgültigen Schilderung der Verfasser seiner Erzählung ein total falsches Colorit gegeben. Wenn er nun