Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Jüdische Belletristik. strebendes Unternehmen bezeichnen müssen, so wollen wir dann anch untersuchen, wie der Verfasser die sich gestellte Aufgabe gelöst hat. Seine Novelle versetzt uns nach Jerusalem. Das Haus der Hasmonäer, deren Ahnen Judäa von der Syrer Macht befreit, ist in Folge der Herrschsucht und Zwistigkeiten seiner Glieder dem Jdumäcr Antipater und dessen Sohne Herodes bereits zur Beute gefallen. Hyrcan, Aristobul, Mariamne und Alexander sind die einzigcn, die der blutgierige Herodes bis jetzt noch verschont; aber sie Alle müssen unschädlich gemacht werden, eher fühlt er seinen Thron nicht sicher. Zuerst fällt der junge Hohepriester Aristobul durch von seinem königlichen Schwager gedungene Mcuchlcrhand ertränkt; der greise, verstümmelte Hyrcan folgt ihm, durch falschen Richterspruch verurtheilt; endlich kehrt sich der Tyrann wider seine eigene, von ihm wahnwitzig eifersüchtig geliebte Gemahlin, die tugendhafte, schöne Königin Mariamne; von der neidischen Schwester Salome aufgcstachelt, läßt er sie auf dem Schaffotte enden. — Den Tod der Alexandria behandelt die Novelle nicht mehr. Das ist das Historische der Erzählung, welchem sich noch die Reise des Herodes zu Octavian anschließt. Diese geschichtlichen Thatsachen sind aber in ein Gewand der Novelle gehüllt, welches nicht nur an und für sich eben Phantasiegebild ist, sondern das anch so ganz den Stempel eines fremdartigen Gewebes an sich trägt, daß dasselbe viel eher zu einer Schilderung irgend eines andern Zeitalters und anderer Thatsachen, als zn den vorliegenden passen würde. Wie der Verfasser dazu kommen kann, den großen Schammai zum Repräsentanten der Jntriguc in dieser Novelle auszuersche», ist schwer zu begreifen. Die Phantasie des Verfassers weist vem greisen Rabbi seine Wohnung höchst romantisch in einer öden, wüsten Berggegend, in der Höhle einer schroffen Felsgruppe, welche ihr Licht durch tausend kleine Löcher, mit welcher die Felswand nach allen Richtungen höchst kunstvoll durchbohrt ist, an. Er selbst wird geschildert als eine lange, hagere Gestalt mit engem Brustkasten und schmalen Schultern; der Silberbart fällt in zwei langen Spitzen herab; der Mund ist fest und streng; die Backen sind eingefallen unter brciten Jochbeinen; die Stirn hoch, viereckig, felsig furchenlos, die Wan-