Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 157 (sequence 3)
- Language
- German
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Mariamne» die letzte HaSmonacrrn. 157 sctzes wiederum den Alten und Jungen so eindringlich zu reden, daß sie erfasst werden von der Feuerkraft der Lehre, so ist es nicht minder die Aufgabe eines Jeden, der durch Beruf oder Antrieb vor das Forum der Oeffeutlichkeit tritt, durch das Bild unserer großen Vergangenheit auf die Gegenwart zu wirken, den Söhnen der Neu-, zeit ihre Ahnen zu zeige״, die Helden des Geistes, die, gefesselt, die Welt eroberten und erobern. Ob aber diese Aufgabe durch eine sogenannte historische Novclle gefordert werden könne, das steht zu bezweifeln. Wir lassen hier die Frage, ob überhaupt die leichte Form des Romans, der Novelle sich ihre Helden aus den großen Namen, welche der Geschichte angchören, entlehnen dürfe, ans sich beruhen. Uns will es freilich bcdünkcn, als wenn daö Bild der Personen und Ereignisse, welche einen dauernden Einfluß auf die Entwickelung der Geschichte ansgeübt, nicht getrübt werden dürfe durch die Phantasie eines Novcllcnschreibers. Nur um eine anschauliche, lebendige Darstellung der Cnltur und Bildung, der socialen und politischen Verhältnisse zu geben, dürfte die Novcltistik durch Personisicirung ihren Bildern regcrcö Leben, größeres Interesse schassen. Die Personen einer solchen Erzählung sollten aber keineswegs historische Namen tragen; um ein leises Abweichc» von der geschichtlichen Wahrheit wäre der Reiz eincö Romans doch wohl zu theucr erkauft. Wo es sich aber um eine südisch-historische Novelle handelt, da möchten wir daun doch darauf Hinweisen, daß die Quellen, aus wclchen eine solche schöpfen könnte, ziemlich spärlich sind. Wie wird der Erzähler in der Lage sein, sich selbst eine so lebhafte, wahrheitsgetreue Anschauung von der Persönlichkeit, den Gewohnheiten, dem Privatleben seiner Helden zu verschaffen, daß er uns ein wahres lebendiges Bild vorführen kann? Die Phantasie hat hier wahrlich eine zu große Lücke auszufüllen, was um so gefährlicher ist, als wir an guten jüdischen Geschichtswerkcn gerade keinen Ucbcrfluß haben und der größte Theil der Leser in der That außer Stande ist, zwischeu Dichtung und Wahrheit zu nntcrschetdcu. Wenn wir daher den hier vorliegenden Plan einer jüdisch-historischen Novelle von vornherein als ein der Natur der Sache wider-