Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik [Rezension]
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Jüdische Belletristik. Wir haben hier also eine historische Novelle vor unS, mit welcher der Verfasser auf dem noch wenig angcbauten Felde der jüdischen Belletristik gewissermaßen eine neue Bahn zu betreten gedenkt. Auch wir können nur wünschen, daß dem jüdischen Publikum seine große Vergangenheit in immer lebendigerer Gestalt vorgcführt wird, daß ihm Immer klarer das Bild jüdischen Lebens und Charaktcrs erscheint. Die Vergangenheit ist die Lehrerin der Gegenwart und die Kenntniß und das Erfassen der nationalen Geschichte trägt nicht wenig zur Hebung des National-Bewnßtscins und Gefühles bei. Wenn immer, so doch ganz besonders in einer Zeit wie der nnsrigen, in welcher durch ein zu starkes Hinncigen zu den allgemeinen Interessen das spezielle des Judcnthums in vielen Kreisen zurückgedrängt wird, in welcher durch mangelhafte jüdische Bildung das Vcrständniß unseres Nationalschatzcs immer geringer und durch das Leben, das dem jüdischen Gesetze sich immer mehr entfremdet, auch dieses bei Vielen schon so fremd geworden, daß den Söhnen Juda'S römische und griechische Literatur bekannter ist, als das lebendige Wort des Gesetzes — ist die Verbreitung der Geschichte unseres Volkes die Ausgabe, welche sich der Pflicht: die Kenntniß der jüdischen Lehre zu verbreiten, unmittelbar anschlicßt. Denn — wir wagen cs auSznsprechen — so manchen Kreisen ist das Judcnthum gleichgültig geworden. Di? Männer, die vor einigen Decennicn das Wort erhoben um für ״Aufklärung und Bildüng", für ״Fortschritt und Entwickelung" Coucessioncn und Dispense von der alten, hehren Mutter unseres Heiligthums so laut zu verlangen — sic haben redlich das Ihrige gethan, um den letzten Funken einer Begeisterung, einer Hingebung an daS Heiligthnm in der herangewachsencn und Heranwachsenden Generation zu verlöschen. Die alten Cbedarim und Jeschiboth haben sie geschlossen; ״Religionsschulen" sind an ihre Stelle getreten, Rcligionsschulcn, in welchen höchstens ein matter Moralkatechismuö gelehrt wird, Rcligionsschnlen, die Gemeinden und Eltern täuschen sollen über den Vcrrath, der unter ihrem Deckmantel an den Herzen und Gemäthern der Jugend geübt wird. Aufzurütteln gilt eä Harum die Gemüthcr, wach zu rufen die Herzen, daß diese Gleichgültigkeit nicht zrrm Todesschlafe werde. Und wenn es vor Allem gilt, das Wort des Ge-