Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1859)
- Article
- Aus einem Briefwechsel über die Psalmen
- Date
- 1859-12-01
- Page
- 126 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Aus einem Briefwechsel bare geschildert, der es nur auf dem einzige», dafür von Gott vorgezeichneten Wege zu erstreben sich entschließen mochte. Und wiederum tie HeileSblüthe, die nach dem Psalm bereits von jedem Menschen individuell zu finden ist, die steht in den ״letzten Worten" als dauerndes Gesammtgut der Menschheit erst dann Vorbehalten, wenn nicht die Gewalt und die Macht, auch nicht die einseitige Wissenschaft und Intelligenz, wenn vielmehr das Sittlichgnte, das ״Gerechte" zur Herrschaft gelangt sein wird, und ihm sich alle andern Interessen und Bestrebungen untergeordnet haben werden. Erst dann wird der Menschheit der Morgen anbrechen, jener Morgen, der, ungetrübten, heitern Lichtes, der Wolken nicht mehr bedarf, die bis dahin mit Sonncnglanz vermählt — in gemischten, freud- und lcidvollcn Wcchsclgeschicken — die Entwickelung der irdischen Menschenvcrhältnisse gezeitigt. Es bedarf dann der Wolken nicht mehr. Von Sonnenglanz und Regenschauer steht schon die Erdenerndte auf dem Acker. Freud' und Leid habe» bereits das Ihrige gcthan — Es liegt aber die ganze Höhe und Tiefe des gottgcsteckten Zieles in der Wahrheit, daß hier das Gesammtheil keine andere Bedingung der Ent- Wickelung als das individuellste Privatheil kennt. Gcsammthcit oder Menschenindividuum, für beide ist das Sittlichgute, das Gerechte die einzige siegende Macht und die einzige Saat zum Heil. So lange das Sittlichgnte nur in dem Moralcodcx des Privatlebens steht, Staaten, Völker, Gesammthcitcn aber anderen Principien huldigen, so lange ist jener Mcnschheitmorgcn noch in weiter Ferne, so lange wird der Sonnenschein des Gewölks des Menschentrübsals nicht entbehren können. Auch in Schilderung des Untergangs des Schlechten gehen diese letzten Worte unserm Psalm parallel. Wiedort die Blüthe des Guten durch die fürsorgende Gottcswaltung getragen ist, das Schlechte aber schon eben einfach dadurch keine Zukunft hat, weil es dieser Fürsorge entbehrt und innerhalb der Gänge der Gottcswaltung weder Halt noch Daseinsbedingung findet — דרך רשעים תאבד —: so heißt es hier ausdrücklich, daß es zur Vernichtung der Schlechten keines besonder« Kampfes und Einschreitens der göttlichen Allmacht bedürfe, sondern באש שרף ישרפז בשבת, Gott bleibt ruhend ans seincm Weltenthrone und wie Dornen verzehrt sie sein Feuer —