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Jeschurun · 1859-12-01 · Heft 3 (Dezember 1859) · p. 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 3 (Dezember 1859)
Article
Kislew
Date
1859-12-01
Page
119 (sequence 5)
Language
German
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חנכה 119 Liebe je länger die Ehe, wächst ihre Lebensweihe je ernster des Lebens Ernst. Ihre Hochzeit ist nicht ihre Hvhczcit, ist der Lenz, ist der Kcimtag ihrer Liebe. So wie der jüdische Mann sein jüdisches Weib, wie der jüdische Greis seine greise Gattin liebt, so hat der Jüngling nimmer die Jungfrau geliebt; denn jeder Tag, jedes Jahr — und die ernsten, rauhen Tage und Jahre wahrlich nicht am ärmsten, — haben immer Ring an Ring in die Kette gefugt, die ihre Geister und Herzen auf ewig verbindet. — Seht jüdische Tempel zur jüdischen Zeit. Vom großen Weihegepränge ihres חינוך wissen sie nicht viel zu erzählen. Orgelklang und Choralgrsang, Kränze und Wcihegcdichte, selbst die Wcihepredigt sammt dem Wciheprcdigcr fehlt zumeist. Die Rollen des Gesetzcs hincingetragen, die kürzeste Dankbcrachah dem ״Guten und Gutes gewährenden" gesprochen, der erste Minchahgottcsdicnst gehalten — und die Synagogcnwcihe, die Chanuckah war vollbracht. Dagegen ward aber nun fort und fort daS Gotteshaus besucht, dagegen ward es nun aber auch der Zufluchtsort und das Nüst- Haus des täglichen Lebens, ward die Sammclstätte des gemeinsamen Lebens vor Gott und die Lehrstätten zur Durchdringung des ganzen Lebens mit Gott. Es war das Bedürfniß und der Ernst, der die alten Synagogen baute; ihre Weihe endete nicht mit dem letzten Amen einer Weihcprcdigt oder mit dem letzten Halleluja eines Schlnßchorals am Weihetage. Der חינוך war die Wiege, nicht das Testament der Synagogenweihe. Eine unjüdische Zeit weiß freilich schönere, prächtigere Weihefeier zu begehen. Allein die mit so vielem Gepränge geweihte Luxus-Synagoge sieht meist die begeistertsten Leiter ihre Weihe höchstens einmal am Versohnungstage — wo wir uns ja alle wieder zusammenfinden — wieder, sieht ihre Räume an den Wochentagen des täglichen Lebens geschlossen, oder — wie eine Sterbende, eine Kranke, erfreut sie sich eines Minjan-Vereins, oder eines besoldeten Minjan-Decemvirats, die die begeisterten Prunkworte der Weihechorale und Weihereden, von ״Andacht" und ״Tcmpclseligkeit" re. in den neun Zehnteln des Jahres, in welchen die Prachtsynagoge der wirklichen Gemeinde Luxus ist, stellvertretend zu verwirklichen bestellt werden. Seht die jüdische Geschichte! Von Anfang an ward diesem

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