Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 2 (November 1859)
- Article
- Die Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1859-11-01
- Page
- 104 (sequence 6)
- Language
- German
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104 Zur Würdigung b« Ansprüche de« neuen Materialismus. Bibel hat vor tausenden von Jahren schon den noch heute richtigen Unterschied zwischen Toleranz und Jndtffercnttsmus gelehrt. Sie sagt: Levit. 19, 17. Hasse deinen Bruder nicht in deinem Herzen verweisen magst du deinen Nebenmenschen: daß du nicht seinetwillen Sünde trägst. Ohne Erschütterung gottlosen Behauptungen zuhören ist Jndifferentismns ist Sünde, aber auch hassen ist Intoleranz ist Sünde. Wir dürfen keinen wegen seiner Denkungsart hassen, aber wir dürfen auch keine öffentlich geäußerte, verderbliche Denkungsart ohne Rüge und Widerlegung lassen. An kurzen gesellschaftlichen Gesprächen, kann der Materialismus, der Sensualismus, die Arroganz und Pedanterie der heutigen Naturforscher unmöglich genügend erörtert werden. Es ist jedoch unerläßliche Pflicht eines jeden Juden, wie viel in seinen Kräften steht, der Verbreitnng dieses Uebels entgegen zu arbeiten. — Aber weder durch Gründe der Homiletik, — die die Heiligkeit der Bibel voraussetzt aber sie nicht beweist noch durch die der dialektischen Vernunft, die noch nie überzeugt haben nie überzeugen werden, sondern durch Gründe des gesunden allgemeinen Menschen- Verstandes. Also vor den Richtstuhl des gesunden Verstandes werden wir die Behauptung: daß die Kraft nie ohne Materie, ohne Stoff existiren, daß ״die Kraft nur an der Materie oder am Stoffe existire" oder ״daß die Kraft und der Stoff identisch seien," ziehen und ihre Richtigkeit untersuchen. Aber so wie wir in den Zoophyten nicht deutlich entscheiden können, ob sie dem Pflanzen- oder Thierreiche angehören, während wir nicht zweifeln dürfen, daß der Baum eine Pflanze und der Löwe ein Thier ist, so müssen wir auch, wollen wir die Kraft von der Materie unterscheiden, die Untersuchung da anstellen wo die Kraft an; deutlichsten entwickelt ist. Und zwar sehen wir beim Menschen und beim Thiere, durch einen Blitzstrahl, den Körper die Materie unversehrt, das Leben aber, die Kraft verschwunden. Ja eine starke Erschütterung (oommotis cerebri) des Gehirns reicht hin um das Leben wegzuscheuchen. Das Leben kann also unuiöglich mit dem Körper identisch sein. Es ist hier im Gegentheil die Kraft nur sehr schwach an die Materie gebunden. Wir kennen gegenwärtig alle Mineralien, alle Bestandthcile der Erde vollkommen, wir wissen, daß sie alle ohne Ausnahme